Bericht: Allgemeines Seminar II 2018

Zeit20.–22.7.2018
OrtGästehaus der Dominikanerinnen, Bühl-Neusatzeck
ThemaDer innere Kritiker
ReferentinAntonia Mamier-Lampart, PSB Lahr
BerichtAndreas Gräber, Durlach
BilderRoland Wagner, Schwetzingen

Nachdem trotz der angespannten Verkehrssituation alle 17 Teilnehmer samt Referentin pünktlich am Tagungsort eingetroffen waren und man sich gegenseitig begrüßt und den Seminarneulingen vorgestellt hatte, ging es zum Abendessen.

Anschließend begrüßte Seminarleiter Roland Wagner aus Schwetzingen die Teilnehmer aus den Regionen Karlsruhe, Kehl, Pforzheim und Sigmaringen sowie die Referentin Antonia Mamier-Lampart von der PSB Lahr.

Nach einer Auflockerungsübung stellten sich die Teilnehmer mit der Beantwortung je einer Frage aus dem bunten Frage-Mix von Ressourcium-Karten vor.

Antonia gab sodann einen Überblick über die geplanten Themen. Hier stand zu Seminar­beginn das Thema Achtsamkeit im Vordergrund. So sollte z.B. die eingenommene Sitzposition bewusst wahrgenommen, dann verändert und die Wahrnehmung und das Gefühlte reflektiert werden.

Nach dem samstäglichen Frühstück versammelte sich die Gruppe am Brunnen und Antonia bat die Teilnehmer sich selbst wahrzunehmen, die Sinne zu spüren, zu riechen, zu hören, zu fühlen und zu schmecken. Ein auflockernder Gang durch den Kräutergarten rundete den Start in den Tag ab.

Im Seminarraum waren die Teilnehmer dann aufgefordert aus einem Mix von Plüschtieren und Tierfiguren sich einen liebevollen Begleiter für den Tag auszusuchen und der Gruppe dann vorzustellen.

Danach wurde das Thema Sich selbst liebevoll begegnen in Gruppenarbeit zu 4 Punkten ausgearbeitet.

  1. Sich loben und ermutigen
  2. Es sich leichter machen
  3. Nicht alles alleine machen
  4. Überhöhte Ansprüche reduzieren

Nach der Mittagspause stellte Antonia die 4 Säulen des Selbstwertes[1] vor, die da sind:

  • Selbstvertrauen/Selbstsicherheit
  • Selbstakzeptanz
  • Soziales Netz
  • Soziale Kompetenz

Sind diese Punkte ausgewogen vorhanden stellt es eine gute Grundlage dar dem Inneren Kritiker (IK) zu begegnen. Und somit war man beim ursprünglichen Seminarthema angekommen. Kennenlernen des IK und dessen Strategien zu deuten.

Anhand von Darstellungen auf Habitat-Karten sollten die Teilnehmer ihre Gemütszustände und die Wirkung des IK dazu vorstellen.

In der Reflexion durch Antonia trat zutage dass unter Umständen der IK durchaus seine Berechtigung haben kann und zuzulassen ist. Zum anderen hilft auch der Ausgleich und das Gleichgewicht von wohlwollendem Begleiter und Chiller dem IK zu begegnen.

Strategien des Inneren Kritikers:

  • Unfaire Vergleiche
  • Mit zweierlei Maß messen
  • Negative Gedanken anderer lesen
  • Übertriebene Verantwortung fordern
  • Perfektionistische Ansprüche
  • Positives externalisieren  /
    negatives internalisieren
  • Alles- oder Nichts-Denken
  • Generalisieren

Unter der Moderation von Antonia wurden in 6 Gruppen real erlebte Ereignisse reflektiert und die Erwiderung des IK dazu vorgestellt. Nach dem Abendessen erzählte uns Antonia ein altes irisches Märchen in dessen Deutung ein Bezug zu Suchtverhalten und deren Bewältigung hergestellt war.

Am Sonntag traf man sich erneut am Brunnen und startete den Tag mit dem Legen eines Mandalas. Die Teilnehmer sammelten in der Umgebung, Blüten, kleine Äste, Blumen, Blätter, Kastanien und Feigen und formten so ein kreisförmiges Gebilde, welches die Vielfalt der Umgebung und die Fantasie der Teilnehmer zeigte.

Nach einer Befindlichkeitsrunde und Entspannungsübungen stellte Antonia die Erfordernis der Achtsamkeit für Gefühle und Bedürfnisse heraus.

  • Freude / Glück
  • Wut / Zorn / Ärger
  • Traurigkeit / Trauer / Enttäuschung
  • Lust / Unlust
  • Geborgenheit / Sicherheit
  • Ruhe

Nach einem Einzelgespräch mit dem liebevollen Begleiter (Tierfigur, Plüschtier) sollte man dies reflektieren und wiedergeben was künftig anders werden soll.

Zum Ende des Seminars waren die Teilnehmer zu Meditation und Imagination eingeladen. Dabei durfte man sich einen selbst angelegten Garten vorstellen, diesen verändern und bestellen oder einfach nur genießen.

In der Schlussrunde gaben die Teilnehmer ihre Eindrücke über das Erlebte wieder und dankten allesamt der Referentin Antonia Mamier-Lampart für die liebevolle Begleitung.

Dass der 1. Vorsitzende Bernd Galowski einen Besuch abgestattet hatte wurde ebenso lobend erwähnt wie das Engagement von Seminarleiter Roland Wagner für die Organisation.

Mit dem Mittagessen und abschließendem Gruppenfoto endete ein wieder gelungenes Seminar, dank einer einfühlsamen Referentin, sowie der Umgebung und Atmosphäre des Gästehauses der Dominikanerinnen.

Nachtrag der Referentin zum Protokoll

Die vier Säulen des Selbstwertes nach Potreck-Rose und Jacob [1]

Die beiden Autorinnen befassen sich mit den Wegen (Strategien), den Selbstwert zu erhöhen, da dies helfen kann, die seelische Gesundheit langfristig zu stabilisieren. Dies gelingt dann, wenn

  • man sich nicht über- aber auch nicht unterschätzt, die Selbstbewertung also nicht zu sehr abweicht von der Einschätzung durch die soziale Umwelt
  • man seine Ansprüche an sich selber so setzt, dass man einerseits Erfolge erlebt und soziale Akzeptanz und Anerkennung gewinnen kann, sich dabei aber noch wohl fühlt und nicht überfordert.
  • man über eine möglichst große Bandbreite an Möglichkeiten verfügt, seinen Selbstwert aufzuwerten z. B. Arbeit, soziale Kontakte, Freizeit (Sport, Hobbies, Interessen), um auszugleichen, sollte einer der Bereiche einmal ausfallen

Die hilfreichen Strategien werden in einem 4-Säulen-Modell dargestellt und können im Rahmen von Therapie gestärkt bzw. entwickelt werden. Vor allem die „interpersonnelle Dimension“ von sozialer Kompetenz und sozialem Netz kann im Rahmen von Selbsthilfegruppenarbeit erlebt und gefördert werden.

Literatur

[1] Friederike Potreck-Rose, Gitta Jacob: Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen: Psychotherapeutische Interventionen zum Aufbau von Selbstwertgefühl. Klett-Cotta, 7. Auflage (2012), ISBN 978-3-608-89016-7

Weblinks

https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstwert