Am 3. Mai 2026 trafen wir uns um 13:00 Uhr vor dem Narrenbrunnen am Kronenplatz.
Wir, das waren 15 gutgelaunte, wissbegierige und STARKE Frauen (wären wir nicht stark, hätten wir den Weg zum Kreuzbund nicht gefunden!)
Unsere sehr kompetente Stadtführerin, begann mit den weniger privilegierten Frauen, nämlich die vom „Dörfle“. Das Leben im Viertel war vor seiner Eingemeindung 1812 ein ärmliches Quartier mit schlechter Stadthygiene. Die Frauen kämpften gegen Armut und arbeiteten hart. Oft blieb ihnen nur der Weg in die Prostitution.
Später wurde das Spinnerhaus gegründet, eine frühe soziale Einrichtung, die Frauen ermöglichte, einer ehrbaren Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie erhielten im Spinnerhaus Wolle und Flachs, die sie in Heimarbeit spinnen konnten. Es steht symbolisch für die Anfänge der organisierten bürgerlichen Frauenarbeit und sozialer Fürsorge im 18. und 19. Jahrhundert. Später entwickelte sich daraus der Badische Frauenverein.
Der Verein, gegründet unter maßgeblicher Beteiligung der badischen Großherzogin Luise.
Frauen wurden hier nicht nur zu Helferinnen, sondern übernahmen zunehmend Verantwortung in Pflege, Bildung und sozialer Arbeit.
Unser Stadtrundgang führt uns natürlich auch zum prachtvollen Schloss. Vor dieser eindrucksvollen Kulisse werden die schillernden Persönlichkeiten der Gemahlinnen der ersten Markgrafen wieder lebendig. Gefeiert und bewundert waren sie die Vorbilder der Karlsruher Bürgerinnen. So etwa Karoline Luise, die erste Ehefrau des Markgrafen Karl Friedrich, auch die „Vielwisserin“ genannt. Sie beherrschte nicht nur fünf Sprachen, sondern war wissenschaftlich und künstlerisch außerordentlich gebildet, korrespondierte mit Gelehrten ihrer Zeit.
Sie beschäftigte sich intensiv mit Botanik, Zoologie, Physik, Medizin, Mineralogie, Geologie und Chemie. Sie hatte drei Söhne, die sie selbst erzog, um sie nicht „verfürsteln“ zu lassen. Eine bewundernswerte Frau. Auch Emmy Schoch hat Großartiges für uns Frauen geleistet. Sie befreite die Frauen von den eng geschnürten Kleidern und entwarf bequeme Mode. Dies gelang ihr allerdings nur durch Hilfe von Ärzten, welche auf die sehr ungesunden Schnürungen hinwiesen.
Für Emmy Schoch war der ästhetische Anspruch an die Kleidung ebenso wichtig, wie der Anspruch auf Bequemlichkeit. Sie gründete ein Unternehmen für „moderne Frauenkleidung“ und zog 1912, nachdem das Unternehmen auf 50 Beschäftigte angewachsen war, in die Herrenstr. 11-13. Sie konnte trotz aller Wirren der damaligen Zeit ihren Betrieb bis 1953 aufrechterhalten.
Mutig und modern geht es auch vor dem ehemaligen Ständehaus weiter. Nach Einführung des Frauenwahlrechts zogen im Januar 1919 die ersten Frauen in die Badische Nationalversammlung und den darauffolgenden Landtag ein. Wichtige Pionierinnen waren:
- Marianne Weber hielt am 15.Januar die allererste Rede einer Frau in einem deutschen Parlament.
- Kunigunde Fischer, die SPD-Politikerin, gehörte zu den ersten weiblichen Abgeordneten, die nach der neuen Verfassung politische Verantwortung übernahmen.
- Clara Siebert, Abgeordnete der Zentrumspartei, war auch eine der ersten Parlamentarierinnen der Weimarer Republik.
Die Gemüter der Karlsruher erhitzten sich allerdings nicht nur im Zuge politischer Diskussionen; auch die Enthüllung eines Brunnens am Stephanplatz trug 1905 dazu bei.
Der Name des Platzes ehrt den Generalpostmeister Heinrich von Stephan, sodass erwartet wurde, dass sich der Brunnen dieser Thematik widmen würde, was jedoch keine Themenvorgabe darstellte. Die Aufgabe erhielt der Architekt Hermann Billing im Jahr 1903.
Er plante ein Brunnenbecken unter einer Säulenhalle, in dessen Mitte eine Quellnymphe platziert werden sollte. Die Herstellung der Bronzefigur wurde dem jungen Bildhauer Hermann Binz übertragen. Die nackte Nymphe stieß jedoch auf Widerstand im Stadtrat, so dass die beiden ihren Entwurf dahingehend abwandelten, dass die Nymphe auf einem Sockel am Rand des Beckens und ohne Baldachin aufgestellt werden sollte. Das Wasser sollte aus Wasserspeiern in Form von Gesichtern an den Säulen in das Becken strömen. Dies wurde genehmigt. Als der Brunnen im Sommer 1905 vollendet war, gab es Überraschungen, Spott und Ablehnungen. Die Gesichter nämlich hatte Binz als Karikaturen bekannter Karlsruher Persönlichkeiten ausgearbeitet, vor allem jener Stadtverordneter, die den ersten Entwurf abgelehnt hatten. Spottlieder entstanden wie:
Vor solche nackte Dame, da läuft eim's Wasser halt im Mund ganz unwillkürlich z'samme.
Unn weil die 14 Herre doch ned gern des Wasser schlucke, so hat man ner des Bassin 'baut, da kenne se jetzt schpucke.
Seit ich das weiß, sehe ich den Brunnen aus einer völlig anderen Sicht und muss jedes Mal lachen, wenn ich daran vorbei gehe.
Auch was die Schulbildung anbelangt, nahm Karlsruhe eine Vorreiterrolle ein und ist Heimat eines der ersten Mädchengymnasien Deutschlands. Es wurde am 16.Sept. 1893 und ging aus dem heutigen Lessing-Gymnasium hervor. Die Initiatorin war Hedwig Kettler und der Verein Frauenbildungsreform. Im Jahr 1899 machten dort die ersten Schülerinnen Abitur.
Nach so viel Input hatten wir uns eine Stärkung redlich verdient und saßen vor dem Schloßplatz gemütlich zusammen.
Es war ein wunderschöner und interessanter Tag mit ganz viel Spaß.


