In der unterschiedlichsten Ausprägung haben Gruppen Erfahrungen gemacht, einzelne Teilnehmende stören mehr oder weniger den Ablauf des Meetings. Die Störungen werden aus dem Verhalten generiert. Der leitungsverantwortlichen Persönlichkeit obliegt nun die Aufgabenstellung, mit der vorgegebenen Situation umzugehen und zu einer Befriedung beizutragen.
Die Seminareinheit soll den Teilnehmenden eine Art von „Werkzeugkasten“ an die Hand geben, mit solchen Situationen richtig, konfliktfrei und zielorientiert umgehen zu können.
Damit eine Analyse der Gruppe der Teilnehmenden vorgenommen werden kann, werden diese gebeten, das Leitthema des Seminars kurz zu verinnerlichen, um zu einer individuellen Bewertung zu kommen. Diese bildet die Grundlage für die Aufstellung in Kleingruppen. Der Aufstellungsmodus orientiert sich an den deutschen Vokalen (Selbstlauten) „A (A = interessantes Thema)“, „E“, „I“, „O“, „U (U = unangenehmes Thema)“.
Im Nachgang erfolgt ein Feedback im Auditorium. In diesem Zusammenhang werden die Motivationen für die Zuordnung zu den einzelnen Kleingruppen erläutert.
Die Frage nach dem Entstehen von konfliktbehafteten Situationen wird artikuliert. Ein essentieller Grund stellt meine individuelle Reaktion auf Aktivitäten der sich mir gegenüber befindlicher Persönlichkeit dar. Von der Evolution her ist unser Gehirn auf Sicherheit programmiert. In meinem Inneren läuft nun ein Entscheidungsprozess ab. Die Abwägung bewegt sich zwischen den beiden Polen „lasse ich mich provozieren“ oder ich spüre die Provokation und halte sie aus. Fällt die Entscheidung auf die erste Variante, gelingt es dem Gegenüber die Macht über mich zu gewinnen. Der skizierte Abwägungsprozess hat auch etwas mit der individuellen Erfahrung (Lebenserfahrung) zu tun. Hier gilt es die weitere Fragestellung zu beantworten, ob das Verhalten / die Aktivitäten der anderen Persönlichkeit etwas mit mir zu tun hat. Sofern es mir hierbei gelingt eine klare Trennung vorzunehmen, ist dies der erste Einstieg.
Die beteiligten Persönlichkeiten strahlen gegenseitige „Schwingungen“ aus. Schwingungen rekrutieren sich aber auch aus dem Verhalten der anderen Gruppenmitglieder. Damit eine möglicherweise sich anbahnende Stresssituation nicht eskaliert, ist Achtsamkeit geboten, sich nicht in die Dynamik der anderen Persönlichkeit hineinziehen zu lassen. Die Einbindung der weiteren Gruppenmitglieder hängt von der Fallgestaltung ab. Sofern persönliche Angriffe im Raume stehen, ist davon abzuraten.
Die Zielsetzung wird formuliert, die theoretische Betrachtung möglicher Konfliktlagen vor dem Hintergrund von Übertragungen und Gegenübertragungen ist erörtert ist. Im weiteren Verlauf des Seminars werden diese Erkenntnisse nun mit Hilfe von Rollenspielen, die auf tatschlichen Geschehnissen beruhen, in der praktischen Handhabung umgesetzt. Von Seiten des Auditoriums werden verschiedene Themenvorschläge artikuliert.
Ein regulärer Gruppenabend bildet den Hintergrund für das erste Rollenspiel. Die Meetings werden regelmäßig von einer teilnehmenden Persönlichkeit gestört, die immer das gleiche Thema wortgewandt und vielsagend artikuliert. Es geht um die Anwesenheit von Handwerkern im häuslichen Domizil. Das Miteinander wird als komplex beschrieben. Bereits in der sog. „Blitzlichtrunde“ äußert sich die betreffende Person vorlaut mit dem standardisierten Thema.
Der Gruppenleitung kommt nun die Aufgabe zu, sich mit der abzeichnenden Situation zu befassen. Die Lösung wird nun darin gesehen, die leitungsverantwortliche Persönlichkeit nimmt eine enge Kontaktstellung zu dem „störenden“ Teilnehmenden ein. Eine wertschätzende Haltung wird mit dem Versprechen eingenommen, das ständige Thema wird zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen. Zunächst soll den anderen Gruppenmitgliedern der erforderliche Raum für deren Befindlichkeiten eingeräumt werden.
Der Gruppenablauf basiert auf einem von allen Teilnehmenden akzeptierten Regelwerk (Gruppenregeln). Der Leitungsverantwortliche bewegt sich in einem Spagat zwischen der nachhaltigen Sicherstellung der Meetings und dem Ziel auch dem „störenden“ Teilnehmer genügend Raum zu geben.
Der Versuch des „kontrollierten Trinkens“ ist der Ausgangspunkt für ein weiteres Rollenspiel. Der Gruppenabend wird simuliert. Eine teilnehmende Persönlichkeit erzählt, dass sie am Wochenende regelmäßig, in gleichbleibendem Umfang Alkohol konsumiert. Die Aussage wird bereits in der „Befindlichkeitsrunde“ artikuliert. Von der Gruppenleitung wird an alle die Frage formuliert, in welchem Zusammenhang Alkohol individuell „getrickert“ hat. Die konsumierende Persönlichkeit bekennt sich zu der Handlungsweise. Ausdrücklich wird das Fehlen eines Suchtdrucks betont.
Die Gruppenmitglieder sehen sich der weiteren Fragestellung nach dem aktuellen mentalen Zustand konfrontiert. Nach der „Blitzlichtrunde“ wird das kontrollierte Trinken einer vertiefenden Betrachtung unterzogen. Der Betreffende hält sich für einen sog. „Genusstrinker“. Seit einigen Monaten findet das Konsumieren statt. Die Menge an Alkohol hat sich nicht erhöht. Die Teilnahme an den Gruppenmeetings bedeutet eine gewisse Sicherheit. Die Frage nach dem weiteren Verbleiben in der Gruppe wird aufgeworfen. Weitere Teilnehmende fühlen sich gestört und kündigen an die Gruppe perspektivisch zu verlassen. In der Aussprache wird der Vorschlag formuliert, der Betroffene möge doch über einen längeren Zeitraum nicht konsumieren.
Seitens der Gruppenleitung wird die Offenheit des Betroffenen wertgeschätzt. Das perspektivische Scheitern des „kontrollierten“ Trinkens wird aber prognostiziert.
Der betroffene Konsumierende kommt auf den formulierten Vorschlag zurück und gibt das Versprechen ab, für die Dauer von vier Wochen keinen Alkohol zu trinken. Diese Zusicherung ist als Vereinbarung zu werten. Die weiteren Geschehnisse hängen dann vom Ergebnis der getroffenen Vereinbarung ab.
Das dritte Rollenspiel basiert auf den Erfahrungen einer Betroffenen, durch den religiösen Glauben hat sie die Abstinenz erlangt. In den Gruppenmeetings erleben die anderen Teilnehmenden eine missionarische Haltung. Ausschließlich durch den Glauben kann das abstinente Verhalten nachhaltig gesichert werden. Diese Handlungsweise ist der einzige richtige Weg.
Sucht ist als toxische Beziehung einzustufen. Ein gewisser religiöser Fanatismus kann dem suchtmäßigen Verhalten gleichgesetzt werden.
Die Lösung des Problems wird darin liegen, die bisher missionarisch Tätige nimmt sich zurück. Sofern eine Besserung nicht eintritt, erfolgt der Ausschluss aus der Gruppe.
Seitens des Referenten wird aus den drei Rollenspielen ein Zwischenfazit gezogen. Der bisherigen Arbeitsweise im Kontext der Seminareinheit liegt die Zielsetzung zugrunde, Abbau von Hemmungen, wahrheitsgemäße Sachverhalte auch mal konfrontativ zu artikulieren, vielleicht auch mit dem Bedenken, das Gegenüber könnte ja die Gruppe verlassen, vor allem, wenn die Gruppe sowieso noch besonders groß ist.
Im Rahmen einer Kleingruppenarbeit sind die Teilnehmenden gehalten, die Hindernisse für wahrheitsgemäße Aussagen zu hinterleuchten. Die Ergebnisse werden im Auditorium artikuliert.
Aus der weiteren Diskussion ergibt sich ein nochmaliges Rollenspiel. Ein Suchtkranker wird modellhaft als Person abgebildet. Die Persönlichkeit wird aufgesplittet. Der süchtige Teil verfolgt das Ziel, der Person soll es gutgehen. Dieser Position steht der „Saboteur“ gegenüber. Dessen Zielsetzung besteht darin, die Persönlichkeit soll kein Suchtmittel mehr konsumieren. Der Saboteur verkündet lautstark seine Botschaft.
Defizite aus der Kindheit sind oft Ursachen für ein suchtmäßiges Verhalten. Die Frage ist, wie gelingt es mir selbstverantwortlich, aber abstinent, damit umzugehen.
Im Kontext eines Feedbacks wird die Seminareinheit resümiert. Die Botschaft besteht darin, Haltung zu zeigen und authentisch zu bleiben. Schwierige Situationen werden nicht lange aufgeschoben.


