Als ich dieses Thema las, habe ich in erster Linie an die Werte unserer Gesellschaft gedacht und wie sehr sie sich in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Danach an meine eigenen Wertvorstellungen. Ein super Thema, welches zum Nachdenken anregt.
Wir trafen uns am Freitag um 19.00 Uhr im Gruppenraum und wie immer haben wir uns herzlichst begrüßt. Es ist immer wieder schön, so viel Wärme und Freude an- und miteinander zu spüren.
Nach einer Vorstellungsrunde erklärten wir, was uns wichtig ist, warum wir hier sind und was nicht sein darf. Es entstand ein reger Austausch.
Am Samstag trafen wir uns nach einem erstklassigen Frühstück um 9:00 Uhr gut gelaunt im Gruppenraum und arbeiteten zunächst alle zusammen. Dabei stellten wir fest, dass unsere Bedürfnisse eng mit unseren Werten zusammenhängen. Werte und Bedürfnisse sind zwei eng miteinander verbundene Konzepte, die unser Handeln, unsere Entscheidungen und unser Wohlbefinden maßgeblich beeinflussen.
Sie sind oft identitätsbildend und dienen als Kompass. Es sind grundlegende Überzeugungen, die bestimmen, was uns im Leben wichtig ist (z.B. Freiheit, Sicherheit, Ehrlichkeit, Treue, Familie, Loyalität). Wir überlegten, ob unsere Werte mit denen vor 30 oder 50 Jahren noch übereinstimmen.
Gesellschaftliche Werte ändern sich und sind oft schwer mit unseren eigenen vereinbar.
Oft passen auch in unserer multikulturellen Gesellschaft die Wertvorstellungen nicht zusammen.
In Kleingruppen bearbeiteten wir folgende Fragen zu Thema:
Werte und Glaubenssätze
Frage 1: Wie entstehen sie?
- Durch Erziehung
- Gesellschaftliches System
- Religion und Kultur
- Kulturkreis/Freunde/Verein
- Erfahrungen/persönliche und von anderen
- Anspruch an sich selbst?
- Umwelt
- Umfeld – Familie, Elternhaus, Kindergarten,Schule, Beruf, Studium, Berufsausbildung
- Hobby
- Werteumkehr
- Vergleich mit Schülern, Gesellschaft, Vordenker, Literatur, Bundeswehr, Bücher, Medien
Frage 2: Wofür sind sie nützlich?
- Gutes Miteinander
- Persönliche Entwicklung
- Lebensleitlinien
- Schutzfunktion
- Vertrauen
- Gut für sich selbst als Basis für ein gutes Leben
- Entwicklung in Kita, Schule, Ausbildung, Beruf und Partnerschaft
- Zusammenleben in der Gemeinschaft/Gesellschaft
- Für positives Denken
- Charakterbildung (Ehrlichkeit, Fleiß, Respekt)
- Persönlichkeit
- Wichtig um eingeregeltes, strukturiertes Leben zu führen
- Definieren moralische und ethnische Grundsätze
- Wenn ich meine Werte lebe, fühle ich mich mit mir im Reinen
- Stärke meinen Selbstwert und meine Zufriedenheit
- Glaube = Anker, Ruhe
- Entwicklung der eigenen Persönlichkeit
- Umgang mit sich und anderen
Frage 3: Wie grenzen wir Werte und Glaubenssätze voneinander ab?
- Werte sind in der Regel positiv
- Glaubenssätze können auch negativ sein
- Werte sind persönlich
- Glaubenssätze sind allgemein gehalten wie z.B: “Glauben heißt nicht wissen“
- Werte verändern sich bzw. werden überdacht – im Alter, in verschiedenen Lebenslagen etc.
- Glaubenssätze werden in der Kindheit geprägt und können positiv und negativ sein
- Glaubenssätze begleiten uns das ganze Leben und können sich verändern (bedürfen immer wieder der Überprüfung)
- Werte ist eine persönliche und/oder gesellschaftliche Charaktereigenschaft
- Werte sind für unser persönliches Handeln maßgebend
- Glaubenssätze kommen von außen (Politik, Familie, Gesellschaft
- Werte kommen zunächst auch von außen und werden später sondiert – was ist uns noch wichtig
- Glaubenssätze sind schon sehr früh, also ab Kindesalter im Unterbewusstsein entstanden/verankert
- Werte sind grundlegende Überzeugungen und Charaktereigenschaften, die als innerer Kompass unser Handeln, Entscheidungen und die Bewertung von Situationen steuern
- Werte verändern sich im Laufe unseres Lebens immer wieder
Nach all diesen Erkenntnissen ging es erst mal in die wohlverdiente Mittagspause!
Nachmittags tauschten wir uns über den inneren Kompass beim Erwachsenwerden aus. Er ist ein tief verankertes System aus persönlichen Werten, Überzeugungen, Interessen und Zielen, das als Wegweiser für eigene Entscheidungen dient. Er hilft dabei ein selbstbestimmtes Leben zu führen und in einer komplexen Welt authentische Entscheidungen zu treffen.
Der Kompass äußert sich auch oft als Bauchgefühl oder innere Stimme, die schneller als der Verstand Signale sendet. Er integriert emotionale und körperliche Reaktionen, um zu signalisieren, ob eine Entscheidung stimmig ist. Er ermöglicht es, vom elterlichen Einfluss unabhängig zu werden und eigene Wege zu gehen. Er hilft uns zwischen richtig und falsch zu unterscheiden.
Immer wieder kamen auch negative Glaubenssätze aus unserer Kindheit zur Sprache.
z.B.: Aus dir wird nie was!
Was bewegt Eltern zu solchem Ausspruch
- Evtl. dachten sie, wenn ich mein Kind abwerte strengt es sich mehr an!?
- Oder weil sie von sich selbst nicht sehr viel halten?
- Wenn noch jemand unter mir ist, fühle ich mich stärker!
Ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Glaubenssätze zu hinterfragen.
Glaubenssätze können durchaus richtig und wichtig sein, sollten aber immer überprüft werden. Ein Beispiel für einen kraftvollen und positiven Glaubenssatz wäre z.B.:
„Ich bin genau richtig, so wie ich bin“
Er fördert die Selbstliebe und stärkt das Selbstvertrauen und es wäre wunderschön, wenn wir uns solchen Satz immer wieder zuflüstern!
Und dann wurde es nochmal spannend! Wir kamen zum
Wertecontainer/Schatzkiste
Unsere Werte haben i.d.R. unterschiedliche Wichtigkeit für uns! Es gibt Werte die:
- Nicht verhandelbar sind
- Sehr wichtig, emotional hoch aufgeladen / tief verwurzelt / identitätsbildend sind
- Veränderbar /verhandelbar / „Verhandlungsmasse“
Wertekonflikte
Unterschiedliche und scheinbar oder tatsächlich unvereinbare Werte / Überzeugungen / Glaubenssätze prallen aufeinander.
Extern:
- Zwischenmenschliche Beziehungen
- Interkulturell
- Gesellschaften
- Nationen
Intern:
- Freiheit / Selbstbestimmung vs. Sicherheit
- Zugehörigkeit vs. Autonomie
- Das Vertraute bewahren vs. sich weiter entwickeln
Dabei hatte unser Referent einen herrlichen Ausspruch:
„Die Illusion des vertrauten Elends!“
Er beschreibt einen Zustand, in dem Menschen sich an unbefriedigende, leidvolle oder ausbeuterische Verhältnisse gewöhnen, diese als alternativlos wahrnehmen und daher nicht verändern. Ein Phänomen, dass das Bekannte – auch wenn es schlecht ist - als sicherer empfunden wird als eine unbekannte Veränderung.
Dann starteten wir in Einzelarbeiten und besannen uns auf unseren eigenen Wertecontainer.
Mein “ Wertecontainer“
- Welche meiner Werte sind nicht verhandelbar?
- Welche meiner Werte sind für mich sehr wichtig – emotional hoch aufgeladen – tief verwurzelt – identitätsbildend?
- Welche meiner Werte sind veränderbar – verhandelbar - „Verhandlungsmasse?
- Wo erlebe ich Wertekonflikte (intern/extern)?
- Wie gehe ich mit meinen Wertekonflikten um?
Es tat gut, darüber nachzudenken und die Antworten aufs Papier zu bringen.
In unserer Abschlussrunde erzählten wir, wie wir den Tag empfunden haben.
Nach dem Abendessen haben wir uns noch lange erzählt, viel gelacht und es uns gemütlich gemacht.
Am Sonntagmorgen beschäftigten wir uns mit der Frage:
Wie kann ich meine Werte aktiv gestalten/umgestalten?
Dabei muss ich bestehende Werte erkennen und reflektieren. Ich muss mich fragen, ob meine Werte noch zu meiner aktuellen Lebenssituation passen.
Manchmal muss ich meine Komfortzone verlassen - die Umsetzung erfordert oft Mut und das Verlassen gewohnter Verhaltensmuster.
Unsere Werte/ Glaubenssätze hatten eine Funktion, da wäre z.B. der Perfektionismus:
Ohne ihn, wäre ich nicht da wo ich heute bin. Ich sollte anerkennen, dass sie gut waren und nicht nur belastend.
Eine Änderung ist ein Abschied von treuen Wegbegleitern!: Ja, es hat einen hohen Preis gekostet, war aber in diesem Lebensabschnitt wichtig und gut für mich!
Ein Wertewandel erfordert Geduld und geschieht nicht über Nacht. Ein kontinuierlicher Prozess der Reflexion und Anpassung.
Und damit beendeten wir ein wundervolles, hochinteressantes und wertvolles Wochenende.
Wieder mal zeigte sich wie offen, herzlich und wohlwollend unser Umgang miteinander ist. Es ist einfach schön mit uns Kreuzbündlern.
Jetzt bleibt mir nur noch mich bei allen Teilnehmern zu bedanken! Schön dass ihr da gewesen seid.
Mein besonderer Dank gilt Maritta, die uns souverän und mit ganz viel Herz durch das Seminar geleitet hat und für ihren köstlichen und liebevoll gestalteten Willkommensgruß auf jedem Stuhl. Maritta, du bist einfach klasse!
Ein ganz großes Dankeschön auch an unseren Referenten Roland. Noch nie habe ich einen solch emphatischen und kompetenten Referent erlebt. Er hat das Seminar so herrlich kurzweilig, gleichzeitig ernsthaft und einfühlsam gestaltet. Einfach großartig.
Mein Dank geht natürlich auch an Daggi, die sich bereit erklärt hat, dieses Seminar mit Fotos zu untermalen.


