Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft

für Suchtkranke und Angehörige

Diözesanverband Freiburg e.V.

KreuzbundDiözesanverband Freiburg e.V.

Bericht: Männer Seminar 2025

Zeit10.–12.10.2025
OrtBildungshaus St. Bernhard
ThemaMein Umgang mit Gefühlen
ReferentThomas Wenz, ehem. PSB Mannheim
BerichtReimund Bunsch
BilderGerhard Häring

Nachdem alle Seminarmitglieder pünktlich und wohlbehalten im Bildungshaus St. Bernhard angekommen waren konnten wir nach einem guten Abendessen um 19:00 Uhr mit dem Seminar beginnen.
Schon traditionell war das Seminar mit 16 Teilnehmern ausgebucht und wurde wie in vielen Jahren zuvor von Thomas Wenz als Referent geleitet.

Zum Kennen­lernen starteten wir mit einer Vorstellungs­runde.

Dann wurde es sehr still!
Thomas stellte einen leeren Stuhl in die Runde, mit dem Bild des im Januar plötzlich und unerwartet verstorbenen Weg­gefährten

Bernhard Heist

Bernhard war immer dabei und bereicherte jedes Seminar mit seinen klugen Beiträgen, seiner Empathie, seiner Lust auf das Leben und immer offen für neue Aufgaben. Ein überaus wertvoller Mensch, den wir sehr vermissen.

Danach berichtete jeder Teilnehmer, was ihn in den letzten Tagen und Wochen beschäftigte. Jeder sollte sein derzeitiges Gefühl aufschreiben und den Zettel in die Mitte des Raumes legen.

Beendet haben wir den Abend mit dem Lied:

Gut wieder hier zu sein!

Von den Interpreten Hannes Wader, Reinhard Mey und Konstantin Wecker

Den Samstag starteten wir mit einer Befindlich­keits­runde!
Danach schauten wir uns die „Gefühlszettel“ genauer an.

  • Versagensängste
  • Gefühle: positiv und negativ
  • Freude
  • Freiheit
  • Bedürfnis nach Liebe, Wärme und Geborgenheit
  • Wieder Zugang zu meinen Gefühlen finden
  • Bin von meinen Gefühlen abgeschnitten
  • Mauer
  • Zukunftssorgen
  • Negative Gefühle aushalten
  • Ich habe Angst zu versagen
  • Innere Ausstrahlung
  • Angst, Frustration
  • Trauer und Umgang mit Schicksalsschlägen
  • Angst vor der Angst
  • Verlust geliebter Personen
  • Einsamkeit
  • Sehnsucht nach Anerkennung
  • Desinteresse an meiner Person
  • Emotionale Verletzung – Schneckenhaus
  • Vorsicht, Schutz
  • Achtsamkeit
  • Dankbar sein
  • Annahme von Gefühlen

Auffallend hierbei waren die häufigen Ängste, die Sorge um die Zukunft und das persönliche Umfeld.

Dann teilten wir uns in vier Gruppen:

  1. Trauer
  2. Freude
  3. Mauer
  4. Angst

zu 1:
In der Trauergruppe stellten wir fest, dass sie meist später einsetzt, im Lauf etwas verblasst, jedoch ein ständiger Begleiter sein kann. Trauer verläuft in verschieden Phasen, dazu gehören z.B. Schock, Wut und schließlich die Akzeptanz.

Zu 2:
Freude ist ein intensives, positives Gefühl, das oft mit körperlichen Reaktionen einhergeht (Lachen, Herzklopfen). Dabei spielt auch Dankbarkeit eine große Rolle, z.B. dafür was wir erreicht haben und dankbar für Freunde und/oder Familie.

Zu 3:
Eine in sich aufgebaute Mauer macht einsam und gefühlskalt. Man hat das Gefühl „keiner mag mich“. Im Inneren sehnt man sich nach Lob, Anerkennung, Liebe und Geborgenheit.

Zu 4:
Ängste sind sehr vielfältig - ganz oft sind es Versagensängste, Angst vor der Zukunft, Krankheit und Verlust! Aber auch die Angst nicht anerkannt zu werden oder nicht „dazu zu gehören“ und Angst vor dem Alleinsein.

Thomas erzählte uns danach von den 5 Gefühlsgruppen

Gefühle

  • die wir zu anderen Menschen haben, mit denen wir unser Verhältnis definieren (Sympathie, Abneigung, Liebe, Hass)
  • die uns in bestimmten Situationen erfassen, in denen wir sie bewerten (Freude, Trauer, Sorge, Lust, Hoffnung)
  • die uns in bedrohlichen Situationen erfassen (Angst, Erschrecken, Furcht, Panik)
  • die wir uns gegenüber haben und wie wir uns bewerten (Scham, Schuld, Selbstwert, Allmacht, Minderwertigkeit)
  • die uns angesichts von Kunst und ästhetischen Objekten erfassen (Schönheit, Harmonie,Dissonanz)

Damit beendeten wir den offiziellen Teil des Tages, trafen uns zum Abendessen und saßen danach gemütlich und mit sehr guten Gesprächen zusammen. Einige von uns gingen zu unserem fast schon obligatorischen Eisessen.

Unsere Sonntagsrunde begannen wir mit einer Entspannungsmelodie und nochmals mit dem Hinweis, dass man sich bei Ängsten verschiedener Art Hilfe suchen sollte. Danach setzte sich ein Teilnehmer mit geschlossenen Augen in die Runde und bekam drei Begriffe aus der Runde zugerufen.

Er sollte dem ersten Impuls folgen!
Was löst dieser Begriff in dir aus:

  • Minderwertigkeit: Angst, Scham usw.
  • Versagen: Angst, Versagensängste,eigene Minderwertigkeit
  • Einsamkeit: Allein, fehlende Liebe, Einsam unter Menschen
  • Innere Leere: Versagen, Trauer, Alleinsein
  • Inkompetenz: Versagensängste
  • Misstrauen: Enttäuschung, Zurückhaltung
  • Verlassen fühlen: Wenn Freunde oder Familienangehörige sterben
  • Zuneigung: Schwierig zu fühlen und zu zeigen
  • Hoffnung: Dass alles besser wird, mit Rückschlägen besser umgehen ohne Konsum
  • Verloren fühlen: Alleinsein, sich abschotten, nicht wissen, wo ich hin gehöre
  • Freude: Ohne Angabe!
  • Zuneigung: Gefühle entwickeln, Zärtlichkeit, Verständigung, Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit

Abschließend stellten wir fest:

  • Männer sind verschlossener als Frauen
  • Unter Männern öffne ich mich leichter, kann besser reden und meine Schwächen zeigen
  • Als Mann muss ich mich beweisen
  • Unter Männer können wir unsere femininen Seiten ausleben
  • Wir nehmen gerne die Beschützerrolle ein
  • Wir haben im Prinzip alle die gleichen Probleme und können im Männer­seminar frei reden.
  • Wir waren uns einig, dass Frauen leichter Zugang zu ihren Gefühlen haben, sie häufiger verbalisieren und mit ihrem sozialen Umfeld teilen.

In unserer Abschlussrunde gab es nur positive Rückmeldungen. Alle fühlten sich wohl und genossen die Offenheit.

Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle unserem Referenten Thomas Wenz aussprechen, für den es eigentlich das letzte Seminar sein sollte und sich dann dank der großen Überredungskunst von Gerhard Häring bereit erklärt hat, das nächste Männer­seminar abzuhalten!

Wir freuen uns darauf.