Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft

für Suchtkranke und Angehörige

Diözesanverband Freiburg e.V.

KreuzbundDiözesanverband Freiburg e.V.

Bericht: Kloster Maulbronn 2022

Zeit27.8.
OrtKloster Maulbronn
ThemaVon Klosterkräutern und Kräuterhexen
BerichtSusanne Bunsch
BilderSusanne Bunsch

Kräuterhexen im Kloster? Gab es etwa Verbindungen zwischen dem Männerkloster und heilkundigen Frauen? Was sind eigentlich Klosterkräuter? Bevor ich zu den Antworten komme, beginne ich am besten von vorne.

Wir trafen uns um 10.00 Uhr im Kloster Maulbronn. Es gilt als eine der besterhaltenen Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen. Schon allein der Klosterhof ist beeindruckend und mit all seinem Fachwerk, Blumen und Liebe zum Detail! Ein absoluter Genuss fürs Auge.

Ein kleiner Wermutstropfen für mich war jedoch, dass von den angemeldeten 12 Frauen nur drei vor Ort waren. Vier Frauen hatten sich entschuldigt (Corona lässt grüßen) und fünf waren einfach nicht da. Schade, die Kosten für diese wirklich interessante und kurzweilige Führung bleiben.

Umso intensiver konnten wir die Führung von Frau Bickel, unserer Kräuterhexe, genießen. Schon am Wegesrand und an den Mauern wurden wir auf heilsame Wildkräuter hingewiesen, z.B. das Schöllkraut, dessen Saft hilfreich gegen Warzen ist (äußerlich), oder das Zimbelkraut, auch als Mauerblümchen bekannt, ist sehr reich an Vitamin C.

Und erst die Brennnessel! Jeder kennt sie, jeder verflucht sie (meistens) und kaum jemand weiß, dass ihre Samen getrocknet, z.B. ins Müsli gemixt sehr stärkend wirken, vor allem für die Manneskraft!

Dann erreichten wir den eigentlichen Klostergarten. Die Kräuterbeete sind immer nur mit einer einzigen Kräuterart bestückt. Der Grund dafür war, dass das einfache Volk damals weder lesen noch schreiben konnte. Diese Kunst war den Mönchen vorbehalten. Nur, wie sollten sie ihren Knechten klarmachen, welches Kraut sie aus dem Garten holen sollten?

Da half die einzelne Aussaat in jedem Beet und der Auftrag, hole mir das Kraut aus dem dritten Beet. Es gab aber nicht alle Heilkräuter in so einem Klostergarten, viele wuchsen wild im Wald oder irgendwo außerhalb des Klosters, und diese waren nur heilkundigen Frauen bekannt. Also beauftragten die Mönche jene Frauen, gewisse Kräuter zu beschaffen.

Bald bemerkten die Mönche, dass das Kräuter-Wissen dieser Frauen ihnen gleichgestellt oder sogar noch vielfältiger war. Um den eigenen Status zu erhalten, rief man die Frauen nur für aussichtslose Fälle. Starb der Kranke, war es die Schuld der Frau. Wurde er geheilt, war sie mit dem Teufel im Bunde. In beiden Fällen wurde die Frau als Hexe verurteilt. Gerade dann, wenn sie aus vermögendem Hause stammte, weil die Familie ihr Vermögen an die Kirche abtreten musste.

Intelligente Frauen mit viel Wissen waren damals unheimlich und mussten weg.

Dann gab es noch die Raffinesse der Ehefrauen, die nicht jedes Jahr ein Kind gebären wollten: sie mischten ihren Ehemännern die Rauke unter das Essen, ein sehr bitteres Kraut für unseren heutigen Geschmack. Damals waren die Speisen jedoch generell bitterer als heute, und die Beimischung wurde nicht bemerkt. Rauke bewirkt eine Dämpfung der Lust und macht Männer müde. Also Männer, hütet euch vor bitteren Speisen!

Ein kleines Beispiel ist da wohl der Chicorée. Ich kann mich sehr gut erinnern, dass meine Mutter ihn in lauwarmes Wasser gelegt hat, um die Bitterstoffe zu reduzieren. Heute erhalten wir nur noch eine milde Form des Chicorée, die Bitterstoffe wurden weggezüchtet.

Im Klostergarten fand sich auch der

  • Frauenmantel, der eine adstringierende, entzündungshemmende, harntreibende, blutreinigende und schmerzlindernde Wirkung hat, die
  • Frauenminze, die adstringierend, antientzündlich, harntreibend und krampflösend wirkt, und die
  • Pfefferminze, die ätherische Öle enthält (Menthol). Diese wirken kühlend und erfrischend.
  • Beinwell hilft bei Knochenbrüchen, Gelenkbeschwerden und Sportverletzungen (äußerlich!),
  • Odermennig wurde bei Durchfall, Appetitlosigkeit und Zahnfleischentzündungen eingesetzt, oder den
  • Thymian, dessen ätherische Öle verschiedene Wirkungen haben: Es entspannt die Bronchialmuskulatur, macht Bakterien und Pilze unschädlich, fördert den Abtransport von Schleim aus den Atemwegen und zeigt antioxidative Effekte.
  • Rosmarin kann zu unserem Erstaunen zu großen Büschen heranwachsen. Rosmarinöl enthält Substanzen, die die Durchblutung in der Haut anregen und den Kreislauf ankurbeln. Ein Bad mit Rosmarinöl wirkt belebend und weckt müde Geister auf,
  • Lavendel blüht wunderschön und ich liebe dessen Duft. Auch er wurde bereits im Mittelalter als Heilpflanze entdeckt. Die blaue Pflanze enthält Wirkstoffe mit heilenden und entspannenden Eigenschaften, zum Beispiel Gerbstoffe, Flavonoide und ein sehr wertvolles ätherisches Öl. Der echte Lavendel enthält mehr als hundert wirksame Inhaltsstoffe. Andere Arten wirken kaum oder sind sogar giftig, zum Beispiel der
  • Schopf-Lavendel.

Es gibt natürlich auch viele giftige Pflanzen, der Eisenhut zum Beispiel, oder opiathaltige Pflanzen, die ich lieber nicht erwähnen möchte. Dies sind nur einige Beispiele die uns unsere Kräuterhexe erzählt hat.

Ein uraltes Wissen über die Heilkraft und Wirkung vieler wildwachsender Kräuter in Wald und Wiese die wir heute größtenteils leider vergessen haben oder nicht mehr beachten. Es war ein spannender, lehrreicher und kurzweiliger Vormittag, mit ganz viel Augenzwinkern gespickt.

Eure Frauen­beauftragte
Susanne Bunsch