Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft

für Suchtkranke und Angehörige

Diözesanverband Freiburg e.V.

KreuzbundDiözesanverband Freiburg e.V.

Beschreibung: Gruppenleitungs-Arbeitstagung I 2020

Zeit17.–19.4.2020
OrtSchönstattzentrum Marienfried
ThemaDie ACT-Matrix: Ein ABC der psychischen Flexibilität
ReferentDr. Klaus Ackermann, Median Klinik Wilhelmsheim

Seminar Beschreibung

Durch veränderte Konsummuster, verkürzte Therapiezeiten und sich wandelnde Therapieinhalte kommen fortlaufend neue Anforderungen auf die Gruppen und damit in erster Linie auf die Gruppen­leiter/innen zu. Um diesen zum Wohle und zur Effizienz der Sucht­selbst­hilfe und damit der Selbst­hilfe­gruppen begegnen zu können ist eine erweiterte Aus-, Fort- und Weiterbildung der Gruppen­leiter/innen unumgänglich. Diese Bildungsmaßnahmen übersteigen die Möglichkeiten einer einzelnen Gruppe bei weitem. Die Anwendung, über die Kreuzbund Diözesan- und Landesverbände, von bundeseinheitlichen Mindeststandards ergibt in gleichem Maße einen unterstützenden, qualitätssichernden und den kostengünstigsten Effekt.

Die Gruppen­arbeit bildet das Fundament des Kreuzbundes. Sie bietet Sucht­kranken und Angehörigen Möglichkeiten der Bewältigung der Sucht und ihrer Auswirkungen. Eine qualifizierte Selbsthilfe ist ein wesentlicher Baustein der Reha­bili­tation und sie unterstützt die berufliche Wiedereingliederung. Sie trägt darüber hinaus zur Persönlichkeitsbildung bei. Die Gruppen­leiter/innen haben dabei eine herausgehobene Funktion. Sie tragen wesentlich zum Gelingen der Gruppen­arbeit bei. Bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe brauchen Gruppen­leiter/innen Unter­stützung, um sie für sich und andere zufrieden­stellend leisten zu können. Die nachfolgend beschriebene Ausbildung stellt hier eine zukunftsweisende Optimierung dar.

Die ACT-Matrix: Ein ABC der psychischen Flexibilität

Der Akzeptanz- und Commitment-Ansatz (Hayes et al. [1]) ist Teil der dritten Welle der Verhaltenstherapie. Ausgehend von den richtungsweisenden Wertvorstellungen einer Person sollen psychische Flexibilität und Gesundheit (das gute Leben, vergleiche Ackermann & Romanczuk-Seiferth [2]) entlang der Dimensionen Achtsamkeit, Bereitschaft und Commitment gefördert werden. Dies beinhaltet insbesondere, mit Klienten zu klären, welche Themen, Beziehungen und Aktivitäten für die persönliche Lebensführung handlungsleitend sein sollen, und diese engagiert verfolgen zu können, auch wenn belastende Gedanken und Gefühle auftauchen und zunächst als Hürden erlebt werden.

Das ACT-Prozessmodel (Hexaflex) umfasst sechs grundlegende Kernaspekte eigenen Erlebens und Verhaltens (Akzeptanz, Fusion, Gegenwärtigkeit, Selbsterleben, Werte und engagiertes Handeln). Damit ist es möglich, Abhängig­keitsverhalten und andere Beeinträchtigungen des Erlebens und Verhaltens prozessual ganz­heit­lich zu erfassen. Diese Prozesse wahrzunehmen, hilft uns, Erleben und Verhalten so zu verändern, dass es wir uns auf das hinbewegen, was uns von Herzen wichtig ist. Mit der ACT-Matrix (Polk et al. [3]) steht ein Werkzeug zur Verfügung, das als ACT für die Westentasche oder als ACT – klinisch kompakt bezeichnet werden kann. Die Matrix dient dabei gewissermaßen als visuelles Navigationssystem für eigenes Erleben und Verhalten, das eingeübt und automatisiert werden kann. Im Seminar werden wir die 6 ACT-Kernprozesse und die ACT-Matrix kennen­lernen. Dabei soll auch dargestellt werden, wie die Matrix in Gruppen dargestellt und eingeübt werden kann.

Wirksamkeitsnachweise

Es liegen aktuell drei Metanalysen zu ACT in der Behandlung von Abhängig­keitsstörungen vor. Fasst man diese Metanalysen zusammen, so kommt die Wirksamkeit von ACT bei stoffgebundenen Abhängig­keits­erkrankungen denen anderer kognitiver und behavioraler psycho­thera­peutischer Verfahren gleich, wobei die Datenbasis allerdings noch limitiert erscheint (siehe auch Ackermann & Romanczuk-Seiferth [2]).

Sonstiges

ACT-basierte Konzepte sind nicht allein auf herkömmliche Behandlungssettings beschränkt geblieben. Mit ACT Peer Recovery hat sich in Teilen Englands ein Programm etabliert, in dem in Genesung befindliche Betroffene bei regelmäßigen Gruppentreffen - ähnlich wie sonst in Selbst­hilfe­gruppen - ein auf ACT-Inhalten basierendes Schulungsprogramm durchlaufen, um ihr Wissen anschließend als Coaches in regelmäßigen Gruppentreffen an andere Betroffene weiterzugeben (Webster [4]).

Literatur

[1] Hayes S.C., Strosahl K.D., Wilson K.G.; Akzeptanz- und Commitment-Therapie: achtsam­keitsbasierte Veränderungen in Theorie und Praxis; Junfermann, Paderborn (2014). ISBN 978-3-87387-891-4

[2] Ackermann, K., Romanczuk-Seiferth, N.; ACT bei Abhängig­keits­erkrankungen. Manuskript eingereicht zur Veröffentlichung.

[3] Polk, K.L., Schoendorff, B., Webster, M., Olaz, F.; Praxishandbuch ACT-Matrix. Schritt für Schritt zur Anwendung in der klinischen Praxis. Springer-Verlag, Berlin (2019). ISBN 978-3-662-59415-5

[4] Webster M. Rolling out the Matrix. Rolling Back Addiction In Polk K., Schoendorff B (Hrsg.) The ACT matrix: A new approach to building psychological flexibility across settings and populations; New Harbinger, Oakland, CA, USA (2014) S. 77–91. ISBN 978-1-608-82923-1