Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft

für Suchtkranke und Angehörige

Diözesanverband Freiburg e.V.

KreuzbundDiözesanverband Freiburg e.V.

Hubert Grimming, Oberkirch

Bericht: Gruppenleitungs-Arbeitstagung II 2019

Zeit15.–17.11.2019
OrtSchönstattzentrum Marienfried
ThemaWir gehen raus – Öffent­lich­keits­arbeit der Gruppen vor Ort
ReferentinGunhild Ahmann, Bundesverband
BerichtFriedrich Mey
BilderRoland Wagner und Gerhard Häring

Zunächst erfolgt ein Soll–Ist–Abgleich. Die bisherige Öffent­lich­keits­arbeit beinhaltet:

  • Vorstellungen in den Fachkliniken
  • Netzwerkarbeit und Kooperation mit anderen Fachverbänden der Sucht-Selbsthilfe
  • Diese Homepage
  • Interviews in den Medien in Form eines authentischen Berichts durch einen Betroffenen
  • Öffent­lich­keits­arbeit erfolgt auch bereits im bilateralen Dialog jedes Einzelnen

Es wurde festgestellt, dass der Erfolg der Öffent­lich­keits­arbeit des Kreuzbundes nicht messbar in der Form von Neuzugängen in den Gruppen ist.

Es gibt Faktoren, die die Öffent­lich­keits­arbeit erschweren:

  • Altersunterschied zur Zielgruppe
  • Thema Alkohol wird stigmatisiert
  • Ständig am „Ball“ bleiben
  • Einmalige Aktionen sind nicht nachhaltig
  • Zu der eigenen Alkoholabhängigkeit zu stehen ist schambesetzt

Diese Auflistung ist nicht abschließend. Im persönlichen Umfeld sollte über die indi­viduelle Situation auf Augenhöhe informiert werden, was als vertrauensbildende Maßnahme eingestuft wird.

Die Formen der Öffent­lich­keits­arbeit sind unter­schied­lich ausgeprägt:

  • Persönliche Gespräche
  • Klinikarbeit
  • Kooperation und Netzwerkpflege (siehe Lotsen­netzwerk)
  • Veran­staltungen
  • Außendarstellung; z.B. Info-Materialien, Info-Stände
  • Medien- und Pressearbeit
  • Verbands- und Mitgliederzeitschriften
  • Interne Kommuni­kation
  • Werbung und Werbegeschenke
  • Corporate Identity / Corporate Design
  • Lobbyarbeit / Interessenvertretung
  • Fundraising / Spendenwerbung
  • Internet und soziale Netzwerke

Ein Pionier der Öffent­lich­keits­arbeit ist Prof. Dr. Albert Oeckl (1909 – 2001)[1]. Er war Mitbegründer der Deutschen Public Relations Gesell­schaft [2] in den 50er-Jahren. Von ihm stammt auch die Definition des Begriffs:

Arbeit mit der Öffentlichkeit, Arbeit für die Öffentlichkeit, Arbeit in der Öffentlichkeit – wobei unter Arbeit das bewusste, geplante und dauernde Bemühen zu verstehen ist, gegenseitiges Verständnis und Vertrauen aufzubauen und zu pflegen sowie ein positives Image zu fördern.

Die Geschichte der Öffent­lich­keits­arbeit reicht bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück. Der Öffent­lich­keits­arbeit kommt eine klare Aufgaben­stellung zu:

  • Information
  • Kommuni­kation: Kontakte und Beziehungen herstellen
  • Imagebildung und -förderung
  • Überzeugung: Einstellungen verändern, Handlungen auslösen
  • Organisation stabili­sieren
  • Selbständigkeit der Organisation erhalten

Die Ziele der Verbands- und Öffent­lich­keits­arbeit müssen nicht deckungsgleich, sondern können im Einzelfall durchaus differenziert sein. Eine Zielsetzung der Aspekte der Öffent­lich­keits­arbeit ist der kommunikative Bereich:

  • Präsenz in den Medien verstärken
  • Herausragende Eigenschaften kommunizieren
  • Außendarstellung vereinheitlichen
  • Bekanntheitsgrad des Kreuzbundes steigern
  • Image des Kreuzbundes als zeitgemäße und erfolgreiche Organisation fördern und ausbauen
  • Mitglieder motivieren
  • Identifikation der Mitglieder mit dem Verband erhöhen – Wir-Gefühl stärken

Ziel des Handelns ist die Steigerung der Bekanntheit des Kreuzbundes bei der Zielgruppe: den potentiellen Gruppen­besuchern. Hierbei gilt es insbesondere die Stärken des Kreuzbundes in den Mittelpunkt der Aktivitäten zu stellen:

  • Größter Sucht-Selbsthilfeverband mit langer Tradition
  • Erfolgreiche Gruppen­arbeit
  • Kooperation der fünf Sucht-Selbsthilfeverbände
  • Fester Bestandteil des Suchthilfesystems
  • Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen
  • Anbindung an die katholische Kirche und den Caritasverband
  • Suchtbetroffene an der Verbandsspitze
  • Einbeziehung von Angehörigen
  • Ehren­amtliche Mitarbeiter auf allen Verbandsebenen
  • Bundesgeschäftsstelle als Dienstleister mit hauptamtlichen Mitarbeitern
  • Aus- und Fortbildung der Ehren­amtlichen
  • Klare Arbeitsteilung zwischen den Verbandsebenen

Die statistischen Kennzahlen beweisen eindeutig, dass 75 % der Personen, welche regelmäßig in eine Kreuzbund-Gruppe gehen, dauerhaft abstinent sind. Die Hilfe zur Selbsthilfe bleibt im gesell­schaftlichen Umfeld auch in Zukunft aktuell und unerlässlich. Im Rahmen der regulären Handlungsweise hat man sich auch mit Hemmnissen (= Schwächen) auseinander zu setzen:

  • Niedriger Bekanntheitsgrad
  • Konservatives Image
  • Vorbehalte gegenüber Vereinen und Verbänden
  • Zu wenig Suchtkranke werden erreicht
  • Stagnierende Mitglieder­zahl / steigender Altersdurchschnitt
  • Wenig Interesse an ehren­amtlichen Funktionen

Weitere Punkte können genannt werden, diese Auflistung ist sicherlich nicht abschließend.

Die Ansprech­partner des Kreuzbundes in der Öffent­lich­keits­arbeit sind:

  • Hilfesuchende Suchtkranke, Suchtgefährdete und Angehörige
  • Mitglieder und Gruppen­besucher
  • Ehren­amtliche und hauptamtliche Mitarbeiter
  • Koopera­tions­partner und Unterstützer
  • Andere Sucht-Selbsthilfeverbände
  • Suchthilfeeinrichtungen, z.B. Beratungsstellen, Suchtkliniken
  • Andere Verbände und Organisationen, z.B. DCV (Deutscher Caritasverband) und DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen)
  • Bundes­gesundheits­ministerium
  • Renten­versicherungsträger

Auch diese Auflistung lässt sich fortsetzen, sie ist ebenfalls nicht abschließend.

Dann sollen die Teil­nehmenden in einem World-Café Schlagworte vertiefend betrachten.

In einem World-Café werden Teilnehmer eines Seminars miteinander ins Gespräch gebracht um damit Problem- oder Frage­stellungen in Kleingruppen zu diskutieren und zu reflektieren. Dabei ist die Art der Frage­stellungen abhängig von der Bedeutsamkeit für die Teilnehmer und deren Interessen. Die Gespräche sollen den alltäglichen Gesprächen in einem Straßen-Café ähneln. Eine Vertiefung der Gespräche wird hier durch das mehrfache Wechseln und Mischen der Teilnehmer ermöglicht. Am Ende wird eine Abschluss­runde im Plenum gehalten, bei der die Teilnehmer ihre Ergebnisse präsentieren.

Im Rahmen des Auditoriums werden die Arbeits­ergebnisse vorgetragen und erläutert:

Veran­staltungen:

  • Veran­staltungen zu Themen der Sucht
  • Freizeiten
  • Selbst­hilfe­tage / Gesundheitstage
  • Infostand im Kontext von Veran­staltungen (z.B. Messen, Sportveranstaltungen, Sommerfest der Fachkliniken)
  • Neue Arten von sucht­mittelfreien Veran­staltungen
  • Podiumsdiskussionen
  • Veran­staltungen in Schulen, Jugendhäusern, bei Arbeitgebern, Alteneinrichtungen
  • Werbung für Veran­staltungen, Sicherstellung der Finanzierung (z.B. Sponsoring)
  • Kooperationsveranstaltung mit anderen

Interne Kommuni­kation:

  • Austausch über die Ansprech­partner (Gruppe – Diözesan­verband – Bundesverband)
  • Moderation
  • Verständnis bewirken
  • Lösungs­orientiert diskutieren
  • Gedankenaustausch
  • Absprachen treffen, Zuständigkeiten klären, gemeinsame Veran­staltungen
  • Gruppenregeln – Verschwiegenheit
  • Schriftliche Dokumentation von Absprachen
  • regelmäßige Treffen + Veran­staltungen
  • Seminare (Fachleute einladen)
  • Vorbereitete thematische Arbeit
  • Persönliche Gespräche bevorzugen
  • Konflikte friedlich lösen
  • Vertrauen schaffen
  • Problembewusstsein entwickeln
  • Erwartungen nicht zu hoch schrauben
  • Offenheit und Ehrlichkeit
  • Erfahrungs­austausch
  • E-Mail, Telefon, Brief

Medien- und Pressearbeit:

  • lokale Radiosender/ Presse /TV
  • Interviews
  • Artikel / Berichte / Anzeigen
  • Image – Film / Werbeclip
  • Internet
  • Homepage
  • Soziale Netzwerke
  • Printmedien
  • Flyer
  • Zeitschriften
  • Plakate
  • Postkarten (City-Card)
  • Probleme
  • Name & Photo veröffentlichen (Scham)
  • Akzeptanz der Medien
  • Aufwand im Ehrenamt (Zeit), Arbeit delegieren

Kooperationen / Netzwerkpflege

  • Kontakte mit Beratungsstellen und Kliniken
  • Regelmäßige Treffen der Gruppen­leiter / Fachverbände
  • Gruppen­leiter Arbeits­tagung
  • Zusammenarbeit mit
    • Selbst­hilfe­büro
    • Schulen
    • Jugendhäuser
    • Vereine
    • Hausärzte / Unfallärzte / Fachärzte
    • Sozial- / Jugend- / Arbeitsamt
    • Politiker
    • Tafeln
    • Andere Selbst­hilfe­gruppen
    • Sozialberatung
    • Arbeitgeber / Betriebsrat
    • Landratsamt
    • Altersheime + Senioren
    • Apotheken
  • Mitteilungen im Gemeinde- / Pfarrblatt

Der Zeitaufwand ist hoch und stetig. Wo hört das Ehrenamt auf?

Internet und soziale Netzwerke

  • Homepage des Kreuzbundes:
    • schnell, übersichtlich, ansprechend
  • Zusatz­angebot zur normalen Gruppen­arbeit
    • kein Ausschluss von denjenigen, welche keinen Computer besitzen
    • kein Ersatz für persönliche Gespräche
  • Vielfalt der Süchte verdeutlichen
  • Unter­stützung bei der Suche nach Hilfe
  • Verlinkung mit anderen Homepages (Landratsamt, Fachkliniken, Kirchen)
  • Gruppeninterne Whats-App-Gruppe
  • Facebook, Twitter, Instagram
  • Einhaltung datenschutzrechtlicher Bestimmungen
  • Finanzieller und zeitlicher Aufwand

Es wurde festgestellt, dass der Kreuzbund für die Öffent­lich­keits­arbeit in den unter­schied­lichsten Bereichen bereits sehr gut aufgestellt ist. Das Zeitbudget der einzelnen Akteure begrenzt allerdings die Möglichkeiten.

Literatur

[1] Wikipedia: Albert Oeckl

[2] Wikipedia: Deutsche Public Relations Gesell­schaft

Weblinks

Deutsche Public Relations Gesell­schaft e.V.

Video: Wilfried Mohr und Rickie zum 40-jährigen Jubiläum

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