Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft

für Suchtkranke und Angehörige

Diözesanverband Freiburg e.V.

KreuzbundDiözesanverband Freiburg e.V.

Bericht: Allgemeines Seminar II 2019

Zeit20.–22.9.
OrtGästehaus der Dominikanerinnen, Bühl-Neusatzeck
ThemaKraft­quellen erkennen und nutzen
ReferentKlaus Harter, PSB Sigmaringen
BerichtFriedrich Mey
BilderFriedrich Mey

Ressourcen sind Kraft­quellen – wie die französische Wurzel des Wortes nahelegt, denn Source bedeutet Quelle. Es sind Quellen, aus denen man all das schöpfen kann, was man zur Gestaltung eines zufrieden stellenden, guten Lebens braucht, was man braucht, um Probleme zu lösen oder mit Schwierig­keiten zurecht zu kommen. Das können sehr verschiedenartige Bedingungen sein, denn jeder Mensch ist anders, und jede Situation, jede Heraus­forderung und Lebensphase braucht andere Ressourcen.

Damit eine Analyse der Gruppe der Teil­nehmenden vorgenommen werden kann, werden diese gebeten, sich zunächst anhand der Frage­stellung zu positionieren, ob bereits schon einmal ein Seminar, das von dem Referenten ausgestaltet worden ist, absolviert wurde. Innerhalb des Kreuzbund Diözesan­verbandes Freiburg werden diese als sog. Harter–Seminare thematisiert. Die Gruppe, welche zum ersten Mal einem solchen Seminar beiwohnt, ist deutlich größer.

In der nächsten Runde sind die Teilnehmer gefordert sich anhand einer Zeitachse zu positionieren. Die Grundlage hierbei bildet die Anzahl von Jahren, in denen die Zugehörigkeit zum Kreuzbund besteht. Erstaun­licherweise ist die Feststellung zu treffen, dass wiederum diejenigen die Mehrheit bilden, welche erst vor ein bis zwei Jahren dazugekommen sind.

In einer weiteren Übung werden die Teil­nehmenden gebeten in Zweier­gruppen, gegenseitig das Verhältnis und die Beziehung zu dem eigenen Vornamen zu erläutern und zu beschreiben. Im Anschluss daran berichtet jeder aus der Kleingruppe gegenüber dem Auditorium im Wechselspiel (einer für den anderen) über die Infor­mationen, die hierbei in Erfahrung gebracht wurden. In diesem Kontext ist eine deutliche Bandbreite hinsichtlich der indi­viduellen Beziehung zum Vornamen erkennbar. Auf der einen Seite besteht ein deutliches Einvernehmen. Andererseits ist auch eine ablehnende Haltung zu verspüren. In den letzteren Fällen hat jeder der Betreffenden sich aber versucht mit der Situation lösungs­orientiert abzufinden.

Die Teil­nehmenden erhalten eine Aufgaben­stellung hinsichtlich der Herstellung einer Kollage. Hierbei ist die Intention nach den indi­viduellen Kraft­quellen zu verfolgen. Als Arbeits­grundlage stehen Zeitungen und Zeitschriften zu Verfügung. Aus diesen Unterlagen sollen Bilder und Textpassagen ausgeschnitten und auf einen Karton aufgeklebt werden, immer unter Zugrunde­legung der formulierten Vorgehens­weise.

Im Rahmen des Auditoriums werden von den Einzelnen die Beweggründe für die indi­viduelle Gestaltung der Kollagen erläutert. Hierbei ist deutlich erkennbar, dass sich manche Themen wie ein roter Faden wiederholen. Viele Wünsche und Sehnsüchte spiegeln sich wider. Diese basieren in der Regel auf aktuellen Ereignissen. Im Kontext der Erläuterungen werden die indi­viduellen Kraft­quellen thematisiert. Sowohl die Ver­gangen­heit als auch die Zukunft stehen Pate. Vielfach bilden auch spirituelle Kraftfelder die Quellen. Nicht nur Beziehungen zu Menschen, sondern auch zu Tieren bilden die Grundlage. Schlagworte wie Mut, Kraft und Disziplin waren essentiell, um schwierige und komplexe Lebens­abschnitte überstehen bzw. bewältigen zu können.

Die Fläche des zur Verfügung stehenden Raumes wird durch den Referenten in zwei unter­schied­lich große Zonen unterteilt. Der größere der beiden Bereiche wird als „Komfortzone“ mit den Kraft­quellen definiert. Mittels Tücher in unter­schied­lichen Farben und weiteren Gegenständen werden die Kraft­quellen symbolisch innerhalb nachfolgender Tatbestände:

  • Familie, Natur und Kreuzbund
  • Harmonie und Zufriedenheit
  • Sport und Hobby
  • Glaube an Energie und Kräfte
  • Gegenseitiger Respekt und Vertrauen
  • Hoffnung und Optimismus
  • Trauer und Verlust
  • gesunde Wut und gesunder Optimismus

Die kleinere der zuvor bereits genannten Flächen wird als Nichtkomfortzone (Schatten und Nebel) definiert. Unter dem Begriff Schatten ist das persönliche Spiegelbild zu verstehen.

Gegenüber den Anwesenden wird die Aufgaben­stellung formuliert zu überprüfen, welche Gründe bzw. Ursachen sind der Auslöser, die es mir unmöglich machen die Kraft­quellen zu nutzen. Die emotionale Unzufriedenheit (Beißhemmung) ist vielfach die Ursache für eine Suchtentwicklung. Im Rahmen des Auditoriums werden die nachfolgenden Hemmnisse beschrieben:

  • Wut
  • Hilflosigkeit
  • Hass
  • der innere Saboteur
  • fehlendes Selbstvertrauen
  • Erlebnisse u. Erfahrungen aus der Kindheit mit den Beziehungen zu den Eltern

Rollenspiel 1

Die Hilflosigkeit im Rahmen einer ehelichen Beziehung zu der häuslichen Situation stellt den Hintergrund dar. Die Ehepartner befinden sich im Esszimmer der häuslichen Wohnung. Die Ehefrau übermittelt ihrem Partner die aktuellen Befindlichkeiten. Hierbei stößt sie durchgängig auf Unverständnis und taube Ohren. Der Ehemann ist alkohol­krank (abhängig). Sie möchte am liebsten gehen und sich trennen.

Die Persönlichkeit der Ehefrau wird in Teilaspekte (Hilflosigkeit, Hilfestellung und Zuversicht) aufgesplittet, die wiederum von weiteren Teil­nehmenden dargestellt werden.

Die Ehefrau berichtet über ihre Historie aus Kindheit, Erwachsensein und den eigenen Beziehungen. In der Kindheit hat sie keine ideale Familie erlebt.

Als emotionale Unter­stützung wird die Szene einer Idealfamilie dargestellt. Hierbei tauchen weitere Aspekte aus einer negativen Lebenserfahrung und Erlebnisse auf. Diese wiederum werden einer vertiefenden Betrachtung unterzogen.

Im Rahmen des Auditoriums wird das Rollenspiel thematisiert. In der ersten Phase (sharing = teilhaben lassen) berichten die Teil­nehmenden von eigenen ähnlichen Erfahrungen und schildern die hierbei auf­ge­tretenen Befindlichkeiten. In der zweiten Phase erfolgt ein Feedback der Darsteller aus den Spielszenen und wie es ihnen hierbei ergangen ist.

Rollenspiel 2

Eine Vater–Sohn–Beziehung bildet die Grundlage. Der Sohn formuliert gegenüber dem Vater, der real bereits verstorben ist, seine Befindlichkeiten. Es handelt sich hierbei um Wünsche und Erwartungen, die nie erfüllt worden sind. Der Sohn hat es aus seiner Wahrnehmung heraus nie recht gemacht. Er hat nie ein Lob erfahren. Der Vater hatte einen gefährlichen Umgang mit dem Suchtmittel Alkohol gepflegt. Aufgrund eines grundlegenden Ereignisses ist der Konsumverzicht eingetreten. Eine Änderung der Haltung, als Konsequenz hieraus, ist aber nicht erfolgt.

Als emotionale Unter­stützung wird die Szene einer eintretenden Normalisierung der Beziehung zwischen Vater und Sohn dargestellt.

Im Rahmen des Auditoriums wird das Rollenspiel wiederum thematisiert.

Der Begriff Wut wird einer vertiefenden Betrachtung unterzogen. Seitens des Referenten wird die These formuliert, dass jeder Mensch in sich einen Steuermann hat, der am Mischpult der Gefühle sitzt. Einer der Regler an diesem Mischpult ist die Wut. Der Regler bewegt sich innerhalb einer + / - Skalierung (positive und negative Wut).

Rollenspiel 3

Die Beziehung zu einer Er­ziehungs­be­rechtig­ten, die nicht die leibliche Mutter ist, stellt den Hintergrund dar. Die Er­ziehungs­be­rechtig­te ist alkohol­krank. Die Aggressionen werden am betreuten Kind ausgelassen. Das betreute Kind hat keine schöne Kindheit und keine Liebe erfahren. Im Gegenteil werden immer nur Vor­haltungen formuliert. Erschwerend kommt hinzu, dass das ehemals betreute Kind, heute erwachsen, in späteren Jahren von Dritten vergewaltigt worden ist.

Als emotionale Unter­stützung werden die leibliche Mutter und der Großvater als Kraft­quellen ins Spiel gebracht.

Im Rahmen des Auditoriums wird das Rollenspiel wiederum thematisiert.

Rollenspiel 4

Die Beziehungen in einer ehelichen Partner­schaft bilden die Grundlage. Die Ehefrau möchte über die Themenfelder, die Beziehung betreffend und ihre Befindlichkeiten reden. Sie sucht das Gespräch. Der Ehemann weicht regelmäßig der Diskussion aus. Er ist alkohol­krank. Die Frau möchte sich trennen. Sie ist auf der Suche nach einer neuen Wohnung.

Als emotionale Unter­stützung wird eine Szene in der neuen Wohnung dargestellt. Die Vermieterin stellt die neuen Räume vor. Hieraus resultieren weitere Handlungsfelder. Die Persönlichkeit der Ehefrau wird in verschieden Aspekte aufgesplittet.

Im Rahmen des Auditoriums wird das Rollenspiel wiederum thematisiert.

 

Den Teil­nehmenden gegenüber wird eine Aufgaben­stellung formuliert. Auf der Rückseite eingangs erstellter Kollage ist ein Brief an sich selbst zu formulieren. In diesem Kontext ist die Frage­stellung zu beantworten, was nehme ich persönlich aus dem Seminar mit. Nach Ablauf eines Zeitraums von vier Wochen ist der Brief wieder zur Hand zu nehmen, um ein persönliches Feedback zu halten.

Die Darsteller in den Rollenspielen werden gebeten, die zugeteilte, gespielte Persönlichkeit ins Verhältnis zur indi­viduellen Persönlichkeit zur setzen und darüber in den Dialog zu treten.