Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft

für Suchtkranke und Angehörige

Diözesanverband Freiburg e.V.

KreuzbundDiözesanverband Freiburg e.V.

Hubert Grimming, Oberkirch

Bericht: Rollenspiel Seminar 2019

Zeit28.–30.6.2019
OrtSchönstattzentrum Marienfried
ThemaVersöhnt sein mit sich selbst
ReferentinJanine Stark, Suchtbeauftragte des Landkreises Sigmaringen
BerichtBarbara Glaser, Karlsruhe
BilderMichael Sigg, Sigmaringen

Unser Seminar startete am Freitagabend um 19:00 Uhr im Schönstattzentrum in einem großen Raum mit vielen Kisten mit Tüchern, Seilen, Stofftieren und anderen Utensilien und mir war klar, dass es ein anstrengendes und zu Herzen gehendes Seminar werden würde. Denn, wer Janine kennt, weiß, dass Sie eine tolle Therapeutin ist mit viel Gefühl und einem Gespür für Verborgenes, dem Sie mit dem Freiwilligen auf die Spur kommen möchte.

Das Rollenspiel

Mehrere Teilnehmer nutzten das Rollenspiels um sich ihre Probleme näher anzuschauen. Anwesende Personen schlüpften in die Rollen der beteiligten Personen. Dadurch konnte eine andere, neue Sicht auf die Ereignisse erzeugt und vieles gelöst werden. Die Teilnehmer konnten Lösungsansätze finden, um Gefühle zu sortieren, das Geschehene richtig einzuordnen und es somit besser zu verarbeiten.

Das Rollen­spiel dient dazu, Geschehenes zu verstehen und zu fühlen, um es nicht mehr als Ballast mit sich herum­zu­schleppen: Wir geben die Hoffnung auf eine bessere Ver­gangen­heit auf. Wir leben im Jetzt und machen das Beste daraus.

Der Freitag begann mit einer Kennen­lernrunde: Wir stellten und nach alphabetisch sortierten Vornamen, nach Herkunftsort und schließlich nach Abstinenzjahren im Seminarraum auf.

Verzeihen bei anderen und sich selbst

Janine erklärt uns vier Typen des Verzeihens. Sie hat einen großen Fundus an Tüchern und Stofftieren. Jeder bedient sich zum passenden Typ des Verzeihens. In jeder Ecke des Raumes wurde von uns eine Station mit Utensilien aufgebaut für die Art des Verzeihens oder auch Nichtverzeihens, sogenannte Inseln zur Orientierung

  1. Ecke: Gut verzeihen können
    • Gut loslassen können
    • Seehund mit Wasser und Wolken-Harmonie
  2. Ecke: Verzeihen-manchmal kommt es noch hoch
    • Ich kann verzeihen, muss es aber nicht
    • Starke Gefühle – verzeihen situationsbedingt
  3. Ecke: nach außen hin Harmonie zeigen, aber innen grummelt es
    • Ice-Age Hörnchen mit scharfen Beißerchen
    • Stofftier mit Seil um den Hals
    • Tücher rund herum
  4. Ecke: Etwas überhaupt nicht verzeihen können
    • Man deckt es zu, aber es piekst immer durch
    • Gefangen im Zorn, in sich selbst
    • Verstrickt-kein Anfang und Ende
    • Wilde gefährliche Tiere
    • Wut und Hass

Zum Verzeihen gehört:

  • Liebe und Hoffnung
  • Sich selbst verzeihen
  • Arbeit und Mühe
  • Es Lohnt sich
  • Verbessert die Lebensqualität
  • Ist im Raum eine schöne Ecke, aber sie kostet Kraft
  • Wenn ich verziehen habe, kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren
  • Dann kommt die Ruhe, Zufriedenheit, Lösung und der tolle Satz: Ich bin o.k.
  • Es kann mehrere Ansätze brauchen
  • Wir sollten Loslassen, um zufrieden zu sein
  • Schuld gibt es nicht beim Verzeihen
  • Enttäuschte Erwartungen sind konkreter
  • Eigene Maßstäbe sind entscheidend
  • Lebensstrukturen bewusst entscheiden
  • Nicht reinrutschen
  • Bild der Lichtdusche

Der Samstag begann mit einer Aufwärmübung: Gesten Vormachen und alle machen sie nach.

Dann: Rollenspiel mit dem Thema: Was wäre wenn? Soll ich ihn nach vielen schönen gemeinsamen Jahren verlassen beim wiederholten Rückfall, bei dem es mir selbst immer schlechter geht? Was mach ich, wenn er wieder trinkt? Muss ich ihn dann verlassen?

Die Umsetzung der Entscheidung zur Trennung. Dann:

  • Rollenspiel mit dem Thema: Schuldgefühle für etwas, das Jahrzehnte zurückliegt

Lernen sich selbst zu verzeihen und anzunehmen. Dann:

  • Rollenspiel mit dem Thema: Aussprache mit der Mutter über eine als Kind begangene Tat; das Kind wurde überhaupt nicht wahrgenommen oder gesehen.

Diese Tat wurde als Geheimnis gehütet. Neue Begegnung finden mit der Mutter im Jetzt.

Ein großes Thema war Wut. (lat. Furor: Raserei, Leidenschaft, Wahnsinn)

Orientierung: Was ist Wut?

  • Ein total positives Gefühl; alle Gefühle sind positiv
  • Wut-Angst-Trauer-Freude sind Grundgefühle aus dem Überlebenskampf heraus

Evolutionär war die Wut zum Überleben sehr wichtig. Sie hat Kräfte mobilisiert.

Wir können sie als Energie nutzen. Wut ist Energie ohne Ende. Wut ist etwas Gutes. Gefühle werden oft unterdrückt, aber Gefühle haben einen Sinn zum Überleben der Menschen.

Es führen verschiedene Wege in die richtige oder falsche Richtung

In Richtung: Kraft spüren / Meinung vertreten

In Richtung: Gewalt, Angriff oder Selbstverletzung

Man kann es selbst steuern:

Aus der Wut in- die Kraft- daraus folgt: verarbeiten

in- die Gewalt daraus folgt: irrationaler Hass

Der Sonntag begann mit der Übung: Sich selbst Verzeihen.

Aufstellung in den vier gelegten Ecken mit der Einschätzung, in welcher Distanz/Nähe stehe ich zu diesen Ecken.

  • Schön war der Standpunkt, es ist gut, wo man sich gerade befindet.
  • Schön war der Standpunkt, von der Ecke des Tieres mit dem Strick um den Hals und nicht verzeihen zu können, in die Ecke gelangt zu sein: zum Verzeihen können.