Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft

für Suchtkranke und Angehörige

Diözesanverband Freiburg e.V.

KreuzbundDiözesanverband Freiburg e.V.

Hubert Grimming, Oberkirch

Bericht: Frauenseminar II 2015

Zeit18.–20.9.2015
OrtSchönstattzentrum Marienfried
ThemaLeben mit und ohne Maske
ReferentinGisela Koop, Rehaklinik Lindenhof
BerichtAnkica Hadatsch

Wir waren eine bunt gemischte Gruppe von Frauen, die sich am Freitagabend zum gemeinsamen Abendessen zusammenfanden. Da waren erfahrene Seminar­teil­nehmerinnen dabei, aber auch 5 Neue hatten großes Interesse an dem Thema. Ich war eine der Neuen und ein wenig aufgeregt.

Was kommt da auf mich zu? Wie begegnen mir die anderen Teilnehmerinnen? Kann ich da ich sein wie in der Gruppe oder muss ich mir eine Maske aufsetzen? Verstecken wir uns nicht alle hin und wieder hinter Masken? Die eine mehr, die andere weniger?

Jede von uns hatte andere Erwartungen an das Seminar. So ergab sich ein vielfältiger Fragenkatalog zu dem Thema. Nachstehend ein paar Gedanken der Seminar­teil­nehmerinnen:

  • Geht Leben ohne Maske überhaupt?
  • Warum zeige ich nicht mein wahres Gesicht?
  • Wann ziehe ich meine Maske auf und was verstecke ich dahinter?
  • Wer bin ICH, der Mensch hinter der Maske und warum trage ich sie?
  • Wo, wann und bei wem kann ich meine Maske fallen lassen?
  • Trage ich eine Maske?

Mit einem Lied von Udo Jürgens starteten wir in den Samstagvormittag. Ich zitiere einen Auszug aus dem Liedtext:

Masken – Ich seh' Masken. Schnee auf den Gefühlen.
Masken - nichts als Masken. Bild der Einsamkeit.
Masken - alles Masken.

Frau Koop hatte auch eine Auswahl an Masken dabei. Diese Masken führten uns zu einer besonderen Übung. Jede von uns suchte sich eine Maske aus und die Aufgabe bestand darin, sich zunächst ohne und dann mit Maske im Spiegel zu betrachten.

Meine Selbsterfahrung ohne Maske:

Ich versuche ein Mensch mit Leichtigkeit zu sein. Es gelingt mir nicht.

Wer bin ich wenn ich keine Maske trage? Ein Mensch mit nicht versteckten Gefühlen

Wann zeige ich mich ohne Maske? Nur bei vertrauten Personen

Welche positiven und negativen Gefühle erlebe ich ohne Maske (ungeschminkt)?

positiv: ich bekomme ein anderes Bild von mir und von meinen Gefühlen

negativ: Ich bin ohne Maske unsicher und habe große Angst vor Verletzungen

Meine Selbsterfahrung mit Maske:

Ich habe Angst die Maske abzuziehen, weil es sich anders anfühlt. Ich komme mir nackt vor.

Was verdecke ich? Angst, Unsicherheit, Traurigkeit, Verletzlichkeit, Wut

Was will ich von mir zeigen? Leichtigkeit und Freude. Liebe und Harmonie

Was will ich von mir zeigen, wenn ich etwas verberge? Mut, Kraft, Sicherheit, Geborgenheit

Was verändert sich, wenn ich eine Maske aufsetze? Ich fühle mich leicht, habe Selbstsicherheit und schaue nicht auf meine wahren Gefühle.

Was hat das mit mir zu tun, mit meiner Persönlichkeit? Ich liebe die Freiheit und möchte gern wirklich frei sein.

Fazit der Übung:

Menschen hinter einer Maske sind für andere oft die Starken, Mutigen, Rücksichtlosen. Doch diese Menschen mimen nur den Starken und gestehen sich selbst keine Schwäche zu. Nach außen stark – doch nach innen fühlen sie sich einsam, verlassen und sehnen sich nach Wärme und Liebe.

Wir haben uns auch mit dem Selbst- und dem Fremdbild beschäftigt. Wie ich mich wahrnehme oder wie ein Fremder mich sieht weicht voneinander ab. Dies ist oft so und das Ziel einer positiven Persönlich­keits­entwicklung ist die Anpassung der beiden Wahrnehmungen Ein langer Weg, aber er ist möglich und ist es Wert ihn zu gehen. Hierbei höre ich immer wieder in und auf mich:

Wie fühle ich mich?
Was brauche ich jetzt?
Was sagt mein Körper?

Ein langer Seminartag ging zu Ende. Wir verabredeten uns nach dem Abendessen um gemeinsam einen Film anzusehen: Kalender Girls. Eine britische Komödie mit Helen Mirren nach der wahren Geschichte einer engagierten Frauengruppe, die mit einem überaus erfolgreichen Nacktkalender Spenden für die Krebsforschung sammelte.

Am Sonntagvormittag ließen wir den Film in Kleingruppen nochmals Revue passieren und stellten fest: Auch im Film gab es Charaktere, die sich versteckt hatten und in der Gemeinschaft mit anderen plötzlich eine neue Seite zeigen konnten. Ein erfrischend komischer Film mit nachdenklichen Aspekten.

Mein erstes Kreuzbundseminar ging zu Ende. Und jetzt konnte ich mir auch meine Fragen vom Beginn des Seminars beantworten:

Was kommt da auf mich zu? Nur Positives: nette Frauen, entspannte Atmosphäre

Wie begegnen mir die anderen Teilnehmerinnen? Offen! Ich fühlte mich gleich am ersten Abend geborgen

Kann ich da ich sein wie in der Gruppe oder muss ich mir eine Maske aufsetzen? Ich konnte bald meine Maske ablegen und war froh dabei gewesen zu sein.

Dies war nicht mein letztes Kreuzbundseminar.