Bericht: Gruppenleiter Arbeitstagung II 2018

Zeit16.–18.11.2018
OrtSchönstattzentrum, Oberkirch
ThemaIch bin okay - Du bist okay - oder doch nicht?
ReferentKlaus Harter, PSB Sigmaringen
BerichtFriedrich Mey, Löffingen
BilderGerhard Häring, Karlsruhe

Die formulierten Aussagen ich bin okay und ich bin nicht okay stellen zwei ganz unterschiedliche Positionen dar. Die Teilnehmer werden vom Referenten gebeten, sich innerhalb der genannten Bandbreite nach individueller Einschätzung im Raum zu positionieren.

Es wird festgestellt, dass sich die meisten der Teilnehmenden bei ich bin okay einfinden. Durch diese Situation erfolgt eine Abweichung von dem Tatbestand, wie er im Durchschnitt zu erwarten wäre (Gaußsche Normalverteilung[1]).

Im Rahmen von individuellen Interviews werden die Teilnehmenden nach dem Beweggrund für die aktuelle Positionierung befragt. Die hierbei formulierten Aussagen stellen für sich genommen wiederum eine Bandbreite dar. Persönliche Befindlichkeiten und Gefühle bilden die Auslöser für die jeweilige Aufstellung. Hierbei ergibt sich aber ein dynamisches und kein statisches Gefüge.

Diejenigen, welche sich bei ich bin nicht okay aufgestellt haben, werden gebeten die Augen zu schließen und für sich die Frage zu beantworten, was wäre zu tun bzw. welche Maßnahmen wären zu treffen, um einen Schritt in Richtung ich bin okay zu unternehmen. Es wird deutlich und auch klargestellt, dass Ängste vor Veränderungen bestehen: ich weiß nicht, was mich erwartet. In der Konsequenz werden dann eben keine Schritte zu Änderungen eingeleitet.

Die Fläche im Seminarraums wird in vier gleich große Felder unterteilt. Diese erhalten jeweils eine Funktion mit folgenden Bezeichnungen:

  1. „ich bin okay“
  2. „ich bin nicht okay“
  3. „du bist okay“
  4. „du bist nicht okay“

Gegenüber den Teilnehmenden wird wiederum die Aufgabenstellung nach der Positionierung aufgrund der individuellen Einschätzung formuliert. Bei dieser Seminarsequenz wird die Selbstakzeptanz (innere Kritiker [2]) thematisiert. Auffallend hierbei ist, dass sich Einzelne nicht klar entscheiden können und sich somit in zwei Feldern aufstellen.

Die Teilnehmenden, jeweils nach Feldfläche getrennt, bilden einen Stuhlkreis. In diesem Rahmen findet ein Austausch über die Beweggründe der Positionierung statt. Die vier Gruppen (jeweils in einem der genannten Felder) erhalten die Aufgabe, auf der Grundlage der vorliegenden Aussagen und formulierten Bewegründe in Form eines Rollenspiels entweder eine Skulptur oder eine Sequenz zu gestalten. Die Ergebnisse werden dem Auditorium präsentiert.

Rollenspiel 1
Die Beziehung zwischen zwei Freundinnen stellt den Hintergrund dar. Aufgrund des Krankheits­bildes einer der Beiden hat sich das Verhältnis erheblich verschlechtert. Die eine Freundin traut sich nicht der anderen zu sagen, was sie nunmehr von ihr hält. Es handelt sich hierbei um eine klassische Konflikt­situation und die individuelle Bereitschaft oder Fähigkeit damit umgehen zu können.

Rollenspiel 2
Die Beziehung zwischen dem Kind zu den Eltern, aus der Situation des Kindes als erwachsener Mensch, stellt die Grundlage dar. Durch einzelne Teilnehmer werden unterschiedliche Aspekte der Persönlichkeit des erwachsenen Kindes personifiziert. Mit deren Hilfe und Unterstützung wird die Verabschiedung von den Eltern (die längst verschieden sind) ermöglicht.

Rollenspiel 3
Die erfolgte grundsätzliche Veränderung der Lebensumstände in Form eines sog. Aussteigers aus dem bisherigen beruflichen Alltag bildet den Hintergrund (Workaholic). Heute ergibt sich ein ausgewogenes Lebensbild mit ausgeglichenem Verhalten. Die individuelle Gelassenheit, zufrieden zu sein, ist der aktuelle innere Antrieb.

Rollenspiel 4
Das Gespräch des Vorgesetzten mit dem Mitarbeiter, der Alkoholprobleme hat, bildet die Grundlage. Gegenüber dem Betroffenen werden keine Vorhaltungen formuliert. Im Gegenteil, er erfährt die Wertschätzung als guten Mitarbeiter. Die Intention wird formuliert, das Thema der Alkoholabhängigkeit gemeinsam einer vertiefenden Betrachtung zu unterziehen. Die Beweggründe des Vorgesetzten ergeben sich aus der Feststellung, dass sich hinter jeder Sucht eine Sehnsucht versteckt. Der süchtige Teil ist nicht böse, in ihm steckt die Wahrheit, um nüchtern zu bleiben.

Im Auditorium wird die Frage formuliert, welche Instanz in uns entscheidet abschließend, was ist gut und was nicht. Im Übrigen wird die Entstehung und Entwicklung der vorgenannten Instanz einer vertiefenden Betrachtung unterzogen. Den Eltern kommt in diesem Zusammen­hang eine tragende Rolle zu. Die Eltern biegen das Kind in ihre Form. Die Teilnehmer bekommen die Aufgabe sich überlegen, welche Personen haben in meinem Leben eine prägende Funktion übernommen. Die Abarbeitung wird im Rahmen von Kleingruppen vorgenommen.

Die Arbeitsergebnisse bilden die Grundlage für ein weiteres Rollenspiel. Hierbei wird die Persönlichkeit der Zielperson in verschiedene Aspekte geteilt. Diese Aspekte werden personifiziert und von einzelnen Teilnehmenden gespielt.

Aus dem Unternommenem wird ein Fazit gezogen. Die Lösung kann nur in einer selbst­bewussten, selbst­sicheren Persönlich­keit bestehen. Der Prozess bis dahin ist langwierig und bedarf intensiver innerer Auseinander­setzungen unter fachlicher Begleitung.

Alternativ: Die Entwicklung einer selbst­sicheren Persönlich­keit ist ein lebenslanger Prozess, der sich aber auf jeden Fall lohnt. Die Rück­meldungen einer Gruppe und / oder fachliche Anleitung können dabei helfen.

Eine theoretische Grundlage des Seminarthemas ist die Transaktionsanalyse[3,4]:

Transaktionsanalyse (TA)

Die TA ist eine psychologische Theorie der menschlichen Persönlichkeit. Die Theorie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts von dem US-amerikanischen Psychiater Eric Berne (1910–1970) begründet und wird laufend weiterentwickelt. Sie erhebt den Anspruch, anschauliche psychologische Konzepte zur Verfügung zu stellen, mit denen Menschen ihre erlebte Wirklichkeit reflektieren, analysieren und verändern können.

Die TA nutzt das Mittel der Kommunikation, um es Menschen zu ermöglichen, ihre Realitäts­wahrnehmung und ihre Interaktionen zu interpretieren und ihren eigenen Lebensweg zu gestalten. Dazu stellt die TA eine Theorie der Persönlichkeit zur Verfügung sowie eine Beschreibung kommunikativer Abläufe in unterschiedlichen Kontexten. Außerdem bietet die TA Modelle zum Beobachten, Beschreiben, Verstehen und Verändern bzw. Entwickeln der Persönlichkeit und der Beziehungen zwischen Individuen und sozialen Systemen. Sie umfasst damit Konzepte zur Persönlichkeits­analyse, zur Beziehungs­analyse, zur Gruppen­dynamik und Gruppen­analyse und zur Analyse und Steuerung von sozialen Systemen sowie Methoden der Einfluss­nahme auf die Gestaltung von als sinnvoll erachteten Veränderungen im inter­aktiven Bereich.

Quelle: Wikipedia [3]

Literatur

[1] Wikipedia: Normalverteilung

[2] Kreuzbund DV Freiburg, Allgemeines Seminar II 2018: Der innere Kritiker

[3] Wikipedia: Transaktionsanalyse

[4] Thomas A. Harris; Ich bin o.k. Du bist o.k.; Rowohlt Taschenbuch, 44. Auflage (2010)
ISBN 978-3-499-16916-8