Bericht: Seminar 55plus 2018

Zeit25.–27.5.2018
OrtSchönstattzentrum, Oberkirch
ThemaAbstinent im Lebensherbst – was gehört dazu
ReferentWilfried Mohr, ehem. PSB Ettlingen
BerichtBärbel Kempermann, Ettlingen
BilderFriedrich Mey, Löffingen

Der Wetterbericht hat für das Wochenende sommerliche Temperaturen angekündigt und so fahre ich bei strahlendem Sonnenschein am Freitagnachmittag nach Oberkirch. Dort angekommen kann ich die bereits vor mir angereisten Seminarteilnehmer/-innen auf der herrlichen Terrasse des Seminarhauses begrüßen. Alle freuen wir uns auf das gemeinsame Wochenende und starten es mit einem gemeinsamen Abendessen.

Zur ersten Seminareinheit begrüßt unser Seminarleiter Frieder Mey uns und unseren Referenten Wilfried Mohr. Herr Mohr ist den meisten von uns bekannt und es gibt Teilnehmende die sich nur wegen ihm für das Seminar angemeldet hatten.

Wir: Männer und Frauen 55+ können alle nicht mehr Bundesliga spielen, aber wir sind auch nicht altes Eisen sondern Edelstahl, so die Einführung von Herrn Mohr.

Ein zufriedener, schöner und abstinenter Herbst des Lebens, was stellen wir uns darunter genau vor? Wir werden uns an diesem Wochenende mit dem Thema in 4 Bereichen auseinandersetzen.

Was hilft mir, abstinent zu bleiben?

Selbstfürsorge

  • Selbstachtsamkeit auf meine Bedürfnisse achten und sie äußern
  • Selbstwertgefühl meine eigenen Fähigkeiten schätzen und anerkennen
  • Selbstakzeptanz meine Stärken, Schwächen und Grenzen annehmen
  • Entspannung und Genuss für mein Wohlbefinden sorgen

Dabei hilft mir Lob. Denn: lieber Lob in der Lebenszeit als ein guter Nachruf!

Ich möchte Lob hören. Ich darf mich auch selbst loben, denn Eigenlob stinkt nicht — Eigenlob stimmt! Ich darf Lob auch einfordern. Ich möchte Lob geben. Mit vielen positiven Erlebnissen kann ich mir eine Tankstelle aufbauen. Diese schützt mich vor dem Ausbrennen.

Ich suche keine Anerkennung durch Jammern oder durch stete Hilfsbereitschaft. Diese Eigenschaften führen zu einer negativen Zuwendung von Lob – sind also Lobräuber.

Resilienz

ist eine Art psychische Widerstandsfähigkeit, gewissermaßen das Immunsystem der Psyche.

Mit Resilienz wird die innere Stärke eines Menschen bezeichnet, Konflikte, Misserfolge, Erkrankungen, eine Entlassung, den Verlust eines nahe stehenden Menschen durch Tod oder Trennung, Unfälle, Schicksalsschläge, berufliche Fehlschläge oder traumatische Erfahrungen zu meistern ohne sich selbst dauerhaft zu schädigen. Das belastende Ereignis wird im Gehirn auf 3 Gleisen verarbeitet:

1. Gleis: Empfindungen, Gefühle, Wahrnehmungen

  • Das Gehirn unterscheidet nicht, ob wir tatsächlich etwas erleben,
    oder ob wir uns das nur einbilden.
  • Nicht die Dinge machen uns zu schaffen,
    sondern die Art und Weise wie wir diese wahrnehmen.
  • Wie wir uns fühlen, hängt nicht von der Situation oder unseren Mitmenschen ab,
    sondern davon wie wir über die Situation oder die Mitmenschen denken.

2. Gleis: Gedanken, Bewertungen, Voraussagen, Selbstkommentierung

  • Die meisten Menschen sind der Ansicht, dass ihre Gefühle durch andere Menschen oder Umstände verursacht sind. Wenn das so wäre hätten wir keine Chance uns gut zu fühlen, wenn die anderen oder die Lage es nicht zulassen würden.

3. Gleis: Impulse, Handlungen, Bewältigungsmuster

  • Akzeptiere Dinge, die du nicht verändern kannst
  • Veränderungen sind Teil des Lebens
  • Optimistisch denken und handeln

Mein Fazit: Wenn ich gut für mich sorge, kann ich psychisch Angriffe des Schicksals besser meistern.

Wie geht es mir als Rentner gut?

Mit dem Ruhestand fallen von jetzt auf nachher Aufgabenbereiche weg und damit auch berufliche Anerkennung und Erfolgserlebnisse. Mein Status, mein Alltag und mein gewohnter Lebensrhythmus ändern sich wesentlich.

Ich darf dies alles, damit ich wirklich frei werde, loslassen und stehe vor einer neuen Herausforderung: wer bin ich, wenn ich mich nicht mehr über den Beruf definieren kann und was sind meine neuen Themen?

Es gibt vier Rentnertypen und nicht nur ich, sondern auch die anderen Seminarteilnehmer/­-innen überlegen sich die persönliche Zuordnung:

  • Gehöre ich zu den Befreiten, die die neue Lebensphase genießen, weil sie nichts mehr müssen sondern nur noch dürfen? Heißt es für mich nun: der frühe Vogel kann mich mal …
  • Bin ich ein/eine Weitermacher/-in, weil ich meine berufliche Tätigkeit mit einem neuen Vertrag fortsetze und somit meinen Tagesablauf gar nicht ändern muss?
  • Möchte ich als Anknüpfer/-in mich mit meinen Kompetenzen einbringen und das machen, was ich schon vorher gut konnte? ( z.B. im Ehrenamt)
  • Oder gehöre ich zu den Nachholer/-innen, die nun das tun, was während der Berufs- und Familienphase nicht möglich war? (neues Hobby, neue Wissensgebiete, Reisen)

Wenn ich kein oder keine Weitermacher/-in bin, habe ich plötzlich viel freie Zeit. Klingt erst mal positiv und fühlt sich zunächst an wie Urlaub. Doch die wenigsten kommen dauerhaft ohne Struktur und sinnvolle Beschäftigung zurecht. Rituale helfen diese Strukturen zu setzen. Sie geben einen bestimmten Ablauf vor, der Ruhe und Sicherheit gibt. Und Dankbarkeit schützt vor der Sehnsucht nach Unerreichbarem. Wir fragen uns: Wem oder wofür bin ich dankbar? Unsere Antworten kommen spontan und sind vielfältig: Therapeuten, Kreuzbund, Partner, Familie, zufriedene Abstinenz, bewusstes Handeln, Danke sagen...

Unsere Diskussion zum Rentnerleben führt auch zu der Erkenntnis: unsere Leistungsfähigkeit nimmt ab. Dies anzunehmen um damit umgehen zu können, ist ein erster Schritt. Wir brauchen dann den Mut um Hilfe zu bitten und dies führt uns zum dritten Themenbereich:

Leben im Alter (Wohnung/Altersheim?)

Alter ist nichts für Feiglinge! Sorge dich nicht – Lebe![1]
Wir möchten unsere Selbständigkeit bewahren und weiterhin im gewohnten Umfeld leben. Doch der Alltag wird im Alter zunehmend schwerer zu bewältigen sein.

Eine positive Betrachtungsweise über das was alles noch geht (im Gegensatz zu dem was nur noch geht), hilft mir bei dem Prozess, der zu der Frage führt: wie wohne ich im Alter? Denke ich jetzt schon daran es mir einfacher zu machen? Wir haben uns viele Erlebnisse mit noch lebenden Elternteilen erzählt, können aber noch keinen Rückschluss auf uns und unser Älterwerden ziehen. So hat aus unserer Runde bisher nur ein Teilnehmer für sich selbst einen Hausnotruf eingerichtet. Respekt für diese Entscheidung! Wir wünschen uns den Mut uns frühzeitig und selbstbestimmt für unsere Wohnform im Alter zu entscheiden.

Der Tod wird kommen,
kann ich ihn annehmen oder habe ich Angst vor ihm?

Als Christen glauben wir an das ewige Leben. Wir wissen: Unser Leben ist endlich.

Der Physiker und Kabarettist Vince Ebert sagt:

Ein Leben ohne Tod wäre ein Leben ohne Neugier.

Sich mit dem Thema Tod zu befassen, fällt den meisten Menschen nicht leicht. Wie sehen wir das und welche Antwort haben wir auf diese Frage? Wir tauschen uns über unsere Erfahrungen mit dem Umgang und mit Erlebnissen von Sterbeprozessen aus. Viele von uns fürchten nicht den Tod sondern das Sterben. Einige möchten sich mit dem eigenen Tod noch nicht auseinandersetzen und einer von uns erzählte uns sein Nahtoderlebnis. Auch auf die Frage: Wenn ich nur noch 1 Jahr zu leben hätte, welche Gefühle kommen bei mir auf und was würde ich tun? suchen und finden wir Antworten.

Mein Fazit aus unserer sehr offenen Gesprächsrunde:

Es kann nicht schaden, ab und zu daran zu denken, dass der Tod ein ganz natürlicher Bestandteil des Lebens ist und jeden von uns etwas angeht.

Ein sehr interessantes Seminarwochenende geht zu Ende. Wir waren auch wieder gemeinsam Eis essen und durften sogar am Samstagabend das Oberkircher Erdbeerfest mit Live-Musik erleben. Mit dabei war unser erster Vorsitzender Bernd Galowski, der sich am Nachmittag spontan entschlossen hatte bei unserem Seminar vorbeizuschauen.

Ich sage Danke den Teilnehmenden aus 11 verschiedenen Kreuzbund­gruppen, Danke an unseren Referenten Herrn Mohr und Danke an seinen Spezialgast Richy. Richy hat mich mit zwei Aussagen überzeugt:

Die kostengünstigste Art sein Aussehen zu stylen
ist ein Lächeln zu tragen.

Wer bis ins hohe Alter lacht, stirbt nie in der Jugend.

Ein Teilnehmer hatte uns eine wunderschöne Geschichte[2] erzählt hat, die ich nachstehend teilen möchte:

86.400 Euro? Jeden Tag? Was würdest du damit tun?

Stell dir vor, du hast bei einem Wettbewerb den folgenden Preis gewonnen: Jeden Morgen, stellt dir die Bank 86.400 Euro auf deinem Bankkonto zur Verfügung. Doch dieses Spiel hat, genau wie jedes andere auch, gewisse Regeln.

Die erste Regel:

Alles, was du im Laufe des Tages nicht ausgegeben hast, wird dir wieder weggenommen, du kannst das Geld nicht einfach auf ein anderes Konto überweisen, du kannst das Geld nur ausgeben. Aber jeden Morgen, wenn du erwachst, stellt dir die Bank erneut 86.400 Euro für den kommenden Tag auf deinem Konto zur Verfügung.

Die zweite Regel:

Die Bank kann das Spiel ohne Vorwarnung beenden, zu jeder Zeit kann Sie sagen: Es ist vorbei, das Spiel ist aus. Sie kann das Konto schließen und du bekommst kein neues mehr.

Was würdest du tun?

Du würdest dir alles kaufen, was du möchtest? Nicht nur für dich selbst, auch für alle anderen Menschen, die du liebst? Vielleicht sogar für Menschen, die du nicht einmal kennst, da du das nie alles für dich allein ausgeben könntest? In jedem Fall aber würdest du versuchen, jeden Cent so auszugeben, dass du ihn bestmögliches nutzt, oder?

Weißt du, eigentlich ist dieses Spiel die Realität.

Jeder von uns hat so eine "magische Bank". Wir sehen sie nur nicht, denn die Bank ist die Zeit. Jeden Morgen wenn wir aufwachen, bekommen wir 86.400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt und wenn wir am Abend einschlafen, wird uns die übrige Zeit nicht gut geschrieben. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, für immer verloren. Gestern ist vergangen. Jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen, aber die Bank kann das Konto jederzeit auflösen, ohne Vorwarnung.

Was machst du also mit deinen täglichen 86.400 Sekunden?
Sind sie nicht viel mehr wert als die gleiche Menge in Euro?

Also fang an, dein Leben zu leben!

Quelle: Marc Levy, "solange Du da bist" [2]

Literatur

[1] Dale Carnegie; Sorge dich nicht - lebe!; Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2011
ISBN 978-3-596-19056-0

[2] Marc Levy; solange Du da bist; Aufbau Verlag, Berlin 2002
ISBN 978-3-7466-1836-4