Bericht: Frauenseminar II 2016

ThemaDie Wechsel der Jahre oder die zweite Pubertät
Zeit23.–25.9.2016
OrtGästehaus der Dominikanerinnen des Klosters Neusatzeck
ReferentinGisela Koop, Rehaklinik Lindenhof, Schallstadt
BerichtBärbel Kempermann, Kreuzbundgruppe Ettlingen II
BilderNele Steinmetz, Kreuzbundgruppe Karlsruhe-Frauen

„Frauen in den Wechseljahren sind mit der vollerblühten Rose des Spätsommers und Herbstes vergleichbar, die beginnt, sich in eine leuchtend rote, saftige Hagebutte zu verwandeln.“
(Quelle: Christiane Northrup, Ärztin und Weiblichkeitspädagogin)

Ich hatte immerhin das Glück von meiner Mutter in der ersten Pubertät aufgeklärt zu werden. Damals wusste sie noch nichts von den Wechseljahren. Woher auch? Für unsere Großmütter gab es diesen Begriff nicht und das Wissen über körperliche Veränderungen blieb den Ärzten vorbehalten. Wie gut geht es uns da heute. Alles was du nicht weißt, kannst du googeln. Doch was wissen wir heute wirklich über die Wechseljahre? Ich selbst kannte mit Ende 30 die Theorie, habe die körperlichen und seelischen Veränderungen dann nach und nach erlebt und festgestellt, dass „Frau-sein“ nicht mit dem Ausbleiben der Periode endet: Frauen in und nach den Wechseljahren sind attraktiv und gehen aktiv durch ihr Leben.

Die einzelnen Phasen im Leben einer Frau:

Kleines Mädchen:
erlebt Eltern als wichtigste Bezugsperson; möchte ihnen nacheifern („Mama ist die Beste“).

Jugendliches Mädchen:
geht in Abgrenzung und Ablehnung um eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

Junge Frau:
ungebunden; sammelt Erfahrungen in Beziehungen und Beruf; entwickelt eigenen Lebensentwurf.

Frau / vielleicht Mutter:
entwickelt Verständnis für eigene Mutter. Gegenreaktion: „Ich mache es anderes“.

Reife Frau:
bindet sich an bestimmte Aufgaben; kümmert sich um eingegangene Verpflichtungen; aktive Anstrengung.

Alte weise Frau:
richtet sich stärker nach innen; erntet und genießt die Früchte des Lebens; trauert um das Gewesene, bewahrt die Freude am Leben, Abschied.

So unterschiedlich wir Frauen sind, so unterschiedlich sind auch unsere Wechseljahre. Sie sind ein natürlicher Prozess mit hormoneller Umstellung und körperlichen Veränderungen. Durchschnittlich beobachten Frauen die ersten Anzeichen der Wechseljahre mit ca. 40 Jahren, die Zeitspanne der Wandelphase liegt bei ca. 10 Jahren.

Die ersten Anzeichen der Wechseljahre sind sehr unspezifisch. Es hat mich überrascht, dass nicht nur ich sondern auch andere Seminarteilnehmerinnen diesen Beginn nicht bemerkt hatten. So waren Stimmungsschwankungen nach unserem Empfinden eher der jeweiligen Lebens-situation geschuldet. Erst viel später konnten wir dies der Hormonumstellung der beginnenden Menopause zuschreiben. Sei noch zu erwähnen: etwa ein Drittel aller Frauen erlebt den Wechsel ohne Beeinträchtigungen, ein weiteres Drittel empfindet lediglich leichte Anzeichen. Ein weiteres Drittel erlebt jedoch sehr starke Symptome der Wechseljahre.

Wenn wir uns bewusst auf den Wechsel einlassen, können wir neu wählen. Es ist die Chance unser Leben aufzuräumen und Neues auszuprobieren.

In einer Gruppenarbeit haben wir uns mit 4 Fragen auseinandergesetzt:

Hinschauen
Wie nehmen wir die Veränderungen in den Wechseljahren bei uns selbst war?
Während einige von uns körperliche und psychische Veränderungen (Muskelschwund, Veränderung der Sexualität, fehlende Energie, Stimmungsschwankungen) bemerkt haben, hatten andere diese Zeichen nicht gespürt bzw. nicht beachtet.
Wie nimmt unser Umfeld die Veränderungen wahr?
Besonders Stimmungsschwankungen lassen unser Umfeld unsicher werden. Aber auch veränderte Aktivitäten und mehr Offenheit führen zum Erstaunen.

Betrauern
Wovon verabschieden wir uns? Was bedauern wir, dass nicht mehr möglich ist?
Mehrheitlich verabschieden wir uns von jugendlicher Energie und Attraktivität. Die Familienphase ist abgeschlossen. Einige von uns bedauern, keine schöne Kindheit oder keine Jugendzeit gehabt zu haben.

Verstehen / Wechseln
Welche Vorteile und Freiräume bieten die Wechseljahre?

Wir genießen eine innere Freiheit, setzen uns neue Ziele und spüren Gelassenheit. Das Ausbleiben der Regelblutung ist für viele von uns eine Befreiung!

Wechseljahre sind Herausforderung und Chance zugleich
um Bilanz zu ziehen und um neue Wege zu gehen.

Wir haben uns hierzu auch mit den nachstehenden Fragen beschäftigt und jede Teilnehmerin hat uns ihre Gedanken zu einem Thema mitgeteilt:

  • Welche neuen Ziele möchte ich mir stecken?
  • Was sind meine persönlichen Vorbilder?
    (Frauen, die Lebensfreude vermitteln, Aktivitäten erhalten oder sogar erst richtig loslegen)
  • Was wollte ich schon als junges Mädchen in meinem Leben gerne machen?
  • Welche Ideen, Sehnsüchte, Vorstellungen von meinem positiven Leben habe ich?

Manche von uns wollten ein Ehrenamt ausüben oder eine neue Sprache lernen. Als Vorbilder wurden Tina Turner und Margot Käßmann genannt. Ich selbst, seit knapp 3 Jahren alleinlebend und nicht mehr berufstätig, hatte mich mit neuen Zielen beschäftigt und diese so formuliert:

Ich möchte mein Alleinsein bewusst und positiv leben!

Dazu wünsche ich mir Mut, nach Hilfe zu fragen und Geduld, darin nicht nachzulassen.
Mut, eigene Entscheidungen selbstverständlich zu treffen und Entschlossenheit, diese nicht anzuzweifeln.

Nach den Wechseljahren, wenn wir frei sein können für neue Herausforderungen, werden wir von unserer Familie mit vielen Erwartungen konfrontiert:

Partner: Bleib gesund; unternimm etwas mit mir; Harmonie
Alte Eltern: Kümmere dich um uns; ich bin froh, dass ich dich hab
Verheiratetes Kind: Nimm uns die Enkel ab
Unverheiratetes Kind: Tu was für dich und deine Selbstentwicklung
Geschwister: Halte Kontakt
Enkel/Enkelinnen: Schön, dass du gesund bist

Lasst uns bei all diesen Erwartungen zunächst nach den eigenen Bedürfnissen schauen:

  • Kann ich Grenzen setzen?
  • Habe ich unerfüllte Sehnsüchte? Was wollte ich schon immer tun?
  • Zeige und spüre deine Liebe!
  • Erhalte deine Aktivität, Selbständigkeit, Freude, Lebenslust und Neugierde!

Wenn ich auf mich schaue und höre bin ich auf dem besten Weg zur reifen Frau und kann bewusst und neugierig den nächsten Schritt zur alten weisen Frau gehen.

Bilderbuchwetter lud uns am Samstagnachmittag zu einem Meditationsspaziergang in der Natur ein. Eine Stunde war unsere Aufmerksamkeit nur auf uns und unsere Umgebung gerichtet. Einfach annehmen ohne zu bewerten. Geschehen lassen, ohne zu beurteilen. Einfach bewusst im Hier und Jetzt sein. Gehen, innehalten und die Natur wie ein kleines Kind betrachten:

Beim Gehen spüre ich ganz gewusst den Boden unter den Füßen.
Ich gehe langsam Schritt für Schritt.
Ich höre auf Geräusche um mich herum, ich lausche.
Ich spüre die Sonne, den Wind, dabei kann ich die Augen schließen.
Ich schaue und entdecke die Natur, den Wald, die Wiese, Blumen, Himmel, Wolken: nehme sie ganz bewusst in mir auf.

Meine Erfahrung: Ich besuche den Bibelgarten des Klosters.
Zwölf Felder mit biblischen Pflanzen gruppieren sich um die Statue des heiligen Dominikus, des Gründers des Dominikanerordens. Ich betrachte die Blumen, Pflanzen und die schöne Schwarzwaldlandschaft. Die wärmenden Sonnenstrahlen auf meiner Haut tun mir gut. Ein Bach plätschert und ich genieße diese kleine Auszeit. Es gelingt mir zu mir selbst zu finden. Dabei hilft mir ein Lied von Wolfgang Bossinger: Ich lasse los und bin, lasse los und bin, lasse los und bin bei mir selbst zu Hause.
Herrlich diese innere Ruhe zu spüren.
Und doch stört, obwohl ich ja nicht bewerten soll, der Lärm der Straße die hinter dem Bibelgarten verläuft.

Zurück im Seminarraum teilen wir unser Erlebtes den anderen mit. Jede Aussage blieb unkommentiert stehen. Lob an uns alle, dass das funktioniert hat.

Kreuzbundseminare bieten auch Raum für anderes:

Rosi Neumann wollte dieses Wochenende mit uns verbringen. Sie ist leider kurz zuvor verstorben. Wir haben an sie gedacht und uns von ihr verabschiedet. Auch wenn sie nicht alle kannten, so hat jede von uns ihr ein paar Worte mit auf ihre Reise in eine andere Welt gegeben. Dies war sehr bewegend und die ein oder andere war gedanklich auch bei weiteren Menschen, die nicht mehr bei uns sind.

Dem nachdenklichen und besinnlichen Abschluss am Freitagabend folgte am nächsten Tag ein ganz anderes Abendprogramm: Frau Koop hatte einen Film mitgebracht: „Die mit dem Bauch tanzen“ (Eine Dokumentation über Frauen unterschiedlichen Alters, die miteinander tanzen und Freude daran haben).
Ein wunderbar unterhaltsamer Film. Weniger über das Bauchtanzen, eher über das Älterwerden. Eine humorvolle aber auch nachdenkliche Doku, die die Lust am Leben aber auch die Schwierigkeiten der Wechseljahre zeigt. Wir alle hatten viel Spaß und es kam sogar der Gedanke auf, eine Kreuzbundbauchtanzgruppe zu gründen.

Zum Schluss möchte ich Danke sagen:

  • Frau Koop für die Aufbereitung und Präsentation des Themas und den gelungenen Seminarverlauf.
  • für die Offenheit der 14 Weggefährtinnen aus 9 verschiedenen Kreuzbundgruppen. Wir waren eine tolle Truppe! Und was außergewöhnlich war: unter uns waren 3 Martinas (…gehörte um 1960 zu den häufigsten Mädchennamen in Deutschland).
  • an eine Teilnehmerin, die uns ihr Leben vom Kleinkindalter an aufgezeigt hat. Mutig hat sie sich mit sich selbst und ihrem „Frau-sein“ auseinandergesetzt.
  • dem Team vom Kloster Neusatzeck! Wir wurden wieder mal richtig verwöhnt.

Ich schließe den Bericht ab mit Worten von Teresa von Avila (Kirchenlehrerin und Mystikerin 1515 bis 1582):
Sei freundlich zu deinem Leib, damit deine Seele Lust hat darin zu wohnen.