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Frauen-Seminar des Kreuzbund-
Diözesanverbandes der Erzdiözese Freiburg

in St. Bernhard in Rastatt vom 15. bis 17. Juni 2012

Erlebnisbericht / Zusammenfassung

Thema: „Nicht nur anecken“, Frauen zwischen Selbstbewusstsein und Rücksichtnahme

 Leitung: Anita Hölle

 Referentin: Gisela Koop, Rehaklinik Lindenhof, Schallstadt

 

A

m Freitag, den 15. Juni  waren alle Damen pünktlich zum Abendessen um 18.00 h eingetroffen. In ungezwungener Atmosphäre gab es so Gelegenheit zum  Kennenlernen bzw. Wiedersehen.

Da Frau Koop an diesem Abend leider aus wichtigem Grund nicht dabei sein konnte, trafen wir uns anschließend mit Anita in unserem Besprechungsraum zur Vorstellungsrunde. Die verschiedenen Schicksale zu hören, war sehr interessant und zum Teil erschreckend, so manches kam mir doch sehr bekannt vor, zumal ich selbst im letzten Jahr 4 Monate zur Reha im Lindenhof war und dort schon viel mitbekommen hatte.

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass die Gruppe gemischt war, d. h. ein Drittel waren Angehörige von Suchtkranken und zwei Drittel Betroffene, also Suchtkranke. Ich nehme es mal vorweg: Diese Tatsache hat am nächsten Tag zum Beinahe-Eklat geführt, da eine Diskussion darüber ausbrach, wer von beiden Seiten die heftiger Betroffenen sind.

Nach der Vorstellungsrunde ging ein Teil der Gruppe noch in die Innenstadt ins Eis-Café.  Natürlich gab es auch hier wieder interessante Gespräche, die uns alle neugierig auf den nächsten Tag mit unserer Referentin Gisela Koop gemacht haben.

Nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück trafen wir uns dann am nächsten Tag, Samstag, um 9.00 h im Besprechungsraum.

Die anstehenden Themen:

 

·         Einführung

·         Arbeitspapier „Selbstbewusstsein / Rücksichtnahme“

·         Selbstbild / Fremdbild

·         Selbstsicherheitsfallen

·         „Anecken“ als Erfahrung

·         Körperarbeit

·         Erklärung zur Selbstachtung

·         Reflexion

 

Zu den Themen im Einzelnen:

Einführung: Frau Koop hat uns den Ablauf des Seminars und ihren Therapiekoffer vorgestellt sowie ein paar Beispiele für mögliche Verhaltensweisen in bestimmten Situationen aufgezeigt, z. B. ein junger Mann mit Stöpseln im Ohr drängelt sich vor…

Selbstbewusstsein / Rücksichtnahme (s. Foto)

Jede Teilnehmerin sollte sich vor einen Buchstaben stellen und einen Begriff dazu nennen, der ihre Gefühle, die sie mit diesem Begriff verbindet, ausdrückt. Folgende Begriffe haben wir erarbeitet:

Entscheidung                                                                  

Wille

Eigenständigkeit

Abwägen

Hilfe suchen

Stop – Grenzen setzen/zeigen

Mut / Ermutigung

Hoffnung – Verstehen

Anteilnahme

Unabhängigkeit

Befreiung

Unsicherheit

Respekt

Kraft

Selbstbewusstsein

 

Ich weiß nicht mehr, was Auslöser für die Diskussion war, an diesem Punkt kam es – wie eingangs schon erwähnt - zu Diskrepanzen zwischen den Angehörigen und den Betroffenen. Frau Koop ermahnte uns in diesem Zusammenhang, positive statt negative Rückmeldungen zu geben.

 

Selbstbild / Fremdbild

Zu diesem Thema haben wir 4 Gruppen gebildet. Wie haben sich die Gruppen gebildet? Ganz einfach: Frau Koop hat vier verschiedene Sorten Süßigkeiten verteilt, und die jeweiligen gleichen Süßigkeiten-Besitzer gehörten dann zu der dazugehörigen Gruppe! So waren die Gruppen buntgemischt.

 

Jede Gruppe bekam die gleiche Themensammlung, zu denen wir uns Gedanken machen sollten:

 

a)       Ich bin selbstbewusst, auch wenn mir einmal etwas nicht gelingt.

b)       Selbstbewusstsein heißt, Mut zur Veränderung aufbringen.

c)       Selbstbewusstsein heißt, Mut zur Veränderung leben.

d)       Selbstbewusstsein heißt, in sich selbst die Anzahl der Möglichkeiten zu vergrößern. Und das wiederum bedeutet, eine innere Vielfalt in sich zu entdecken, mit der frau viele unterschiedliche Situationen bewältigen kann.

e)       Selbstbewusstsein heißt, im Kontakt mit anderen die Anzahl der Möglichkeiten zu vergrößern. Das bedeutet, das Bild, das  ich vom anderen habe, flexibel zu halten und immer zu überprüfen.

f)        Selbstbewusstsein heißt, Selbstbild und Fremdbild immer wieder zu vergleichen.

g)       Selbstbewusstsein heißt, eigene Ziele zu setzen oder Ziele zu verändern.

h)       Selbstbewusstsein heißt, sozial kompetent zu sein.

i)        Selbstbewusstsein heißt, sich selbst und Gespräche steuern zu können.

j)        Was verbinden Sie mit selbstbewusstem Verhalten????

 

Die Ergebnisse wurden dann nacheinander von einem Gruppenmitglied vorgetragen. Hier einige der zahlreichen Antworten, die wir aufgelistet haben:

 

  • Sich nicht klein machen lassen, aber nicht zu dominieren oder selbstherrlich zu wirken
  • Menschenkenntnis
  • Aufrechte Haltung (sowohl physisch als auch geistig)
  • Mit sich selbst im Reinen sein
  • Sich selbst respektieren
  • Zutrauen und Vertrauen
  • Nein zu sagen
  • Mut, Toleranz, loslassen können
  • Kritik zulassen und Lob annehmen
  •  
    • In diesem Zusammenhang hat Frau Koop uns die Knüffe-Runde vorgestellt:
      • Ziel: Lernen, Lob wirklich anzunehmen
        • Inhalt: Was Du an einer Frau schätzt,
        • wie sie sich gibt,
        • wie sie aussieht,
        • was sie tut,
        • wofür sie sich einsetzt…

 

      • Knüffe dürfen zurückgegeben werden, wenn eine Frau sie nicht mag, z. B. weil diese Eigenschaften (z. B. lieb, verständnisvoll, hilfsbereit) ständig von ihr erwartet werden.

 

Frau Koop erklärte uns die selbstbewusste Frau als Zielbild nach Carolin Knill („Selbstsicher – Jetzt“), sie sieht so aus:

 

  • Sie weiß, was sie will.
  • Sie verfolgt ihre Ziele (ohne zu zweifeln).
  • Sie ist von sich und ihren Fähigkeiten überzeugt.
  • Sie geht auf andere Menschen zu und spricht fremde Menschen ohne Zögern an.
  • Sie hat einen festen Blick und schaut ihren Gesprächspartnern in die Augen.
  • Sie spricht deutlich und mit fester, klarer Stimme.
  • Sie hat einen aufrechten Gang, läuft zielgerichtet mit ausgreifenden Schritten.
  • Sie steht fest und stabil, wenn sie sich mit anderen Menschen unterhält.
  • Sie kann sich durchsetzen und überzeugt andere Menschen.
  • Sie steht in Gruppen schnell im Mittelpunkt.
  • Sie erzielt Aufmerksamkeit, wenn sie einen Raum betritt.
  • Sie ist beliebt.
  • Sie fühlt sich wertgeschätzt und in ihrer sozialen Umgebung gut aufgehoben.

 

Es ergab sich aufgrund etwas diffuser Rückmeldungen, dass wir das Thema „Kritik“ (gemeint ist hier „negative“ Kritik) kurzfristig auf die Tagesordnung nehmen mussten. Frau Koop hat uns daran erinnert, in Ich-Botschaften zu sprechen statt in Du-Botschaften. Auch wenn es so einfach und verständlich ist, fällt es schwer, sich daran zu halten, sind wir es doch eher  von Kind auf gewohnt,  andere zu beschimpfen statt eigene Gefühle auszudrücken

Bei schönstem Wetter konnte man die Mittagspause genießen, und aufgrund der Zentrumsnähe hatten wir sogar die Gelegenheit, Rastatt kennenzulernen.

 

Danach ging es mit Brettspielen weiter. Ziel war, ohne Rücksicht  zu gewinnen.  Zu achten hatten wir dabei auf unsere Gedanken, unsere Gefühle und unser Verhalten. Also, uns zu beobachten, was während des Spiels in uns vorging.

Die 6 Selbstsicherheitsfallen

 

1)       Ständiges Hinterfragen des eigenen Handelns

2)       Sich alles gefallen lassen

3)       Abwehrhaltung gegenüber Lob und Erfolgen

4)       Permanente Entschuldigungen

5)       Ständige Vergleiche der eigenen Person mit anderen

6)       Häufige Kritik an der eigenen Person

 

wurden eingehend diskutiert und haben uns alle sehr beeindruckt.

 

Den Seminartag schlossen wir dann wohlwollend, liebevoll und wertschätzend ab,  indem wir uns gegenseitig Rückmeldungen gaben.

Den Abend beendeten wir mit einem Spaziergang durch Rastatt, nicht ohne noch bei der Eisdiele Halt gemacht zu haben.

Am Sonntag stellte uns eine der Teilnehmerinnen nach dem ausgiebigem Frühstück  die neueste CD von Ute Freudenberg (eine von uns) „Willkommen im Leben“ vor. Die Texte waren sehr beeindruckend und spiegelten unsere Gedanken und Gefühle wider.

Frau Koop hatte auch eine Reihe von interessanten Büchern zum Thema „Sucht“ mitgebracht, die man eigentlich alle lesen sollte…

Nun noch zu unserem Thema Selbstbild contra Fremdbild:

Frau Koop breitete Menge Postkarten mit Frauenbilden auf dem Boden aus:  Jede von uns sollte sich zwei Karten aussuchen, eine mit dem Bild, wie sie sich selbst sieht,  und eine, mit dem Bild, das andere (vielleicht auch bestimmte Personen) von uns haben.

Vor allem das Fremdbild ist gar nicht so einfach zu finden, ich hab mir ein Bild ausgesucht, von dem ich annehme, dass meine Mutter mich so sieht.

In unserer Kaffeepause gab es noch eine kleine Überraschung. In der Kapelle neben unserem Seminarraum (wegen der Hitze war die Tür geöffnet) probte ein gemischter Chor. Der  Gesang gefiel uns so gut,  dass wir uns fast reindrängten, um richtig zuhören zu können. Die Chorleiterin bat uns, doch eine Runde mitzusingen. Das war wirklich ein sehr schönes Erlebnis, und so manche wusste gar nicht, dass sie so gut singen kann.

 

Zum Abschluss sollte jede von uns reflektieren, was sie von unserem Seminar mitgenommen hat. Es gab auch Tränen und das gehörte auch dazu.

Der Abschied war dann auch sehr innig. Frauen, die sich zu Anfang skeptisch gegenüber standen, haben sich herzlichst umarmt und alle hoffen eigentlich auf ein Wiedersehen!

 

August 2012 - Frauengruppe Heidelberg / Autorin ist der Redaktion bekannt.

 

 

Buchtipp: Eva Wlodarek, „Tango Vitale“ Campus Verlag.

 

Wir planen unsere Zukunft, haben alles im Griff – und dann kommt dieser Moment, der unser Leben entscheidend verändert. Trotzdem sind wir dem Schicksal nicht ausgeliefert: Wir können es positiv beeinflussen.

Ein englisches Sprichwort sagt: „It takes two to tango“ – zum Tango gehören immer zwei. Das gilt auch für unseren Lebenstanz mit dem Schicksal. Mal gibt das Schicksal die Richtung vor, mal tun wir selbst den ersten Schritt.

Wir können das Schicksal mit eigene Schritten zu unseren Gunsten lenken: Talente entfalten, selbsterfüllte Prophezeiungen steuern, Gefahren vermeiden, glückliche Umstände anziehen und gute Gelegenheiten im richtigen Moment ergreifen. Sogar Schicksalsschläge lassen sich in Gewinn verwandeln.

Beim Tango mit dem Schicksal lohnt es sich deshalb, Profitänzerin oder –tänzer zu werden.

Dr. Eva Wlodarek gilt als eine der renommiertesten Psychologinnen in unserem Lande. Nimmt sie sich dem Thema Schicksal an, so könnte man glauben, jetzt wird es richtig ernst und schwer. Dies ist in diesem Buch nicht so. Sie zeigt, wie man gelassen bleibt, aufmerksam ist und wie man Intuition entwickeln kann. Was sind die Eigenschaften von Glückspilzen? Wie kann ich lernen, im günstigsten Augenblick zuzugreifen und selbst Glückspilz zu werden? Es gibt Handwerkszeug, wie ich mit Schicksalsschlägen umgehen kann, um sein Leben wieder liebenswert zu gestalten. Die positive Energie die man auf diese Weise erhält, wirkt sich beim Tango mit meinem Schicksal gewiss nicht negativ aus. Jedenfalls ist es gut zu wissen, wie ich mein Schicksal positiv beeinflussen kann. Dürfen wir mit dem Schicksal auf das Parkett bitten.

Eva Wlodarek, „Tango Vitale“ Campus Verlag.

 

 

Mahnung

 

Wer ein Schnecke zermalmt,

zerstört auch ihr verschlungenes Haus,

in dem die Träume unserer Kindheit wohnen.

 

 Susanne Martinez

 

 

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