zurück

 

Frauenseminar 2014 zum Thema: „Perfekt sein – wozu?“
Vom 16. bis 18. Mai 2014 im Gästehaus der Dominikanerinnen in Neusatzeck/Bühl
Referentin: Frau Koop, Rehaklinik Schallstadt, Lindenhof

Unter der bewährten Leitung von Frau Koop setzten sich 16 Teilnehmerinnen in Gruppengesprächen, im Plenum, und in Rollenspielen mit dem Thema auseinander. „Perfekt sein – wozu?“ war für die Teilnehmerinnen aus allen Altersgruppen eine Frage ihres alltäglichen Lebens.

Einige der Teilnehmerinnen nahmen zum wiederholten Mal am Frauenseminar teil und wussten, dass interessante Tage vor ihnen lagen.
Zu Beginn des Seminars hatte Frau Koop eine riesige Auswahl an Sonnenbrillen und Brillen in die Mitte gelegt, und jede Teilnehmerin durfte sich eine Brille aussuchen und sich damit vorstellen. Zum Abschluss setzten wir sie wieder auf, bzw. suchten uns eine andere Brille aus. Das Ergebnis ist auf dem Abschlussfoto zu bewundern.

Wir stellten fest, dass für viele die gleichen inneren Glaubenssätze gelten wie „du sollst es allen Recht machen“, „du musst fleissig sein“, „du bist zu unordentlich“.

Wir waren uns einig, dass frau gerne perfekt wäre, dass Perfektionismus letztendlich aber ein Mythos ist und von keiner erreicht werden kann.

Dieser ungesunde Perfektionismus rührt schon aus Kindertagen her. Wie oft bekommen Kinder zu hören:
du bist nichts, du kannst nichts.
Du darfst mich nicht blamieren.
Wie viele Mädchen werden wegen ihres Gewichts kritisiert und wünschen sich die perfekte Figur einer Barbie Puppe?

Diese krank machenden Vorhaltungen verfolgen uns noch als Erwachsene:
der Körper reagiert - wir gehen geduckt, wir bekommen Magenprobleme, Kopfschmerzen und leiden unter Schlaflosigkeit. Unsere Psyche reagiert durch die übertriebene Anforderung, sei es durch uns selbst oder durch unsere Umwelt, durch Stress – unsere Gedanken drehen sich nur noch um das Eine (noch besser zu sein), das Selbstbewusstsein und die Kreativität werden unterdrückt, es entstehen Minderwertigkeitskomplexe, Selbsthass, Selbstzweifel und letztendlich kann das in eine Suchtkrankheit führen.
In der Gesellschaft werden die Nicht-Perfekten ausgegrenzt, sie bekommen keine Anerkennung , sie werden ausgenutzt bzw. ausgeschlossen. Durch zu hohe Erwartungen werden wir zu „Ja-Sagern“ und trauen uns nicht, unsere Meinung zu sagen.

In der Erziehung führt Perfektionismus dazu, dass die Kinder keinen eigenen Willen zeigen dürfen, es werden zu hohe Ansprüche gestellt, sie werden ständig kritisiert, ihre Grenzen werden nicht akzeptiert.
Um den Eltern, ihrem Freundeskreis, den Lehrern und Mitschülern zu gefallen, um die Liebe der Eltern zu bekommen, überfordern sich bereits unsere Kinder.



Die Wirtschaft profitiert vielleicht von unserem übertriebenen Streben nach Perfektion, der Mensch aber verliert!

Gedanken und Ideen zur Prävention:
  • Kindern erlauben, Fehler zu machen, Schwäche zuzulassen
  • nicht nur kritisieren, Negatives mit Positivem verbinden
  • Augenhöhe und guter Kontakt zu Kindern
  • vertrauen, annehmen ohne Gegenleistung
  • eine gesunde Streitkultur pflegen
  • zeigen: „Schön, dass du da bist“
  • sich selbst auch Fehler eingestehen und es auch zeigen
Wir waren uns einig, dass wir perfekt, aber nicht perfektionistisch sein möchten,
  • nicht Opfer einer Scheinwelt sein wollen
  • die Realitäten sehen, uns nicht von Werbung, Gesellschaft, Politik täuschen lassen
Was viele Frauen gemeinsam haben:

sie kritisieren sich selbst eher als Männer, sehen nichts Positives an sich,
sie sehen alles weiß oder schwarz, sie haben Angst vor Bewertung, zweifeln an ihren Leistungen. „Ich will alles zu 100 % schaffen – oder es gelingt mir nicht“.

Eine Gruppenarbeit am Sonntag machte uns viel Spaß. Es galt, sich in die Gruppen Frau Karla Alleskann, Frau Jutta- Jasager und Frau Marie Turechtgut einzuteilen.
In die vierte Gruppe für Frau Sonja Superweib mochte sich keine der Teilnehmerinnen begeben – warum wohl?
Es war sehr interessant, wie sich die Teilnehmerinnen in das Leben der jeweiligen Frau hinein versetzen konnten.
Für die Zukunft haben wir uns vorgenommen:
Wir wollen uns nicht ständig mit Anderen und Besseren vergleichen, denn
  • Ich bin wie ich bin.
  • Ich bin mit mir zufrieden.
  • Ich möchte streben nach dem, was mir wichtig ist.
  • Ich möchte mich achten, ich will mich nicht überfordern
  • Ich setze mir kleinere Ziele.
  • Ich akzeptiere meine Stärke und gestehe damit meine Schwäche ein.
  • Ich nehme das Nichtperfekte an und das Erreichte schätze ich.



Bilder und Text: Gaby Weiser, Frauengruppe Heidelberg

oben